Entscheidung 11 Os 119/04
Rechtstracker.at · Quelle: RIS (Bundeskanzleramt)
Dokumenttyp
Entscheidungstext
Entscheidungsdatum
07.12.2004
Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat am 7. Dezember 2004 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr. Mayrhofer als Vorsitzenden sowie durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr. Ebner, Dr. Danek, Dr. Schwab und Dr. Lässig als weitere Richter, in Gegenwart der Richteramtsanwärterin Mag. Klenk als Schriftführerin, in der Strafsache gegen Christian Hilmar H***** und Günter G***** wegen des Vergehens der Körperverletzung nach § 83 Abs 1 StGB, AZ 3 U 69/03t des Bezirksgerichtes Hall/Tirol, über die Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes gegen das Urteil des Bezirksgerichtes Hall/Tirol vom 11. März 2004, GZ 3 U 69/03t-38, nach öffentlicher Verhandlung in Anwesenheit des Vertreters des Generalprokurators, Generalanwalt Dr. Weiss, zu Recht erkannt:Der Oberste Gerichtshof hat am 7. Dezember 2004 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr. Mayrhofer als Vorsitzenden sowie durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr. Ebner, Dr. Danek, Dr. Schwab und Dr. Lässig als weitere Richter, in Gegenwart der Richteramtsanwärterin Mag. Klenk als Schriftführerin, in der Strafsache gegen Christian Hilmar H***** und Günter G***** wegen des Vergehens der Körperverletzung nach Paragraph 83, Absatz eins, StGB, AZ 3 U 69/03t des Bezirksgerichtes Hall/Tirol, über die Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes gegen das Urteil des Bezirksgerichtes Hall/Tirol vom 11. März 2004, GZ 3 U 69/03t-38, nach öffentlicher Verhandlung in Anwesenheit des Vertreters des Generalprokurators, Generalanwalt Dr. Weiss, zu Recht erkannt:
Spruch
Im Strafverfahren AZ 3 U 69/03t des Bezirksgerichtes Hall/Tirol verletzt die Verlesung der von der Gendarmerie aufgenommenen Niederschriften der Zeugen Anita W***** und Markus S***** das Gesetz in der Bestimmung des § 252 Abs 1 StPO.Im Strafverfahren AZ 3 U 69/03t des Bezirksgerichtes Hall/Tirol verletzt die Verlesung der von der Gendarmerie aufgenommenen Niederschriften der Zeugen Anita W***** und Markus S***** das Gesetz in der Bestimmung des Paragraph 252, Absatz eins, StPO.
Gemäß § 292 letzter Satz StPO wird das Urteil des Bezirksgerichtes Hall/Tirol vom 11. März 2004, GZ 3 U 69/03t-38, aufgehoben und die Sache zu neuerlicher Verhandlung und Entscheidung über die Anträge des öffentlichen Anklägers auf Bestrafung von Christian Hilmar H***** und Günter G***** an das Bezirksgericht Hall/Tirol verwiesen.Gemäß Paragraph 292, letzter Satz StPO wird das Urteil des Bezirksgerichtes Hall/Tirol vom 11. März 2004, GZ 3 U 69/03t-38, aufgehoben und die Sache zu neuerlicher Verhandlung und Entscheidung über die Anträge des öffentlichen Anklägers auf Bestrafung von Christian Hilmar H***** und Günter G***** an das Bezirksgericht Hall/Tirol verwiesen.
Text
Gründe:
Mit dem angefochtenen Urteil des Bezirksgerichtes Hall/Tirol vom 11. März 2004, GZ 3 U 69/03t-38, wurden Christian Hilmar H***** und Günter G***** des Vergehens der Körperverletzung nach § 83 Abs 1 StGB schuldig erkannt und zu Geldstrafen verurteilt. Den Schuldspruch stützte das Bezirksgericht (vgl US 8) ua auf den Inhalt der mit den Zeugen Anita W***** (S 29 ff) und Markus S***** (S 43 f) von der Gendarmerie aufgenommenen Niederschriften, obwohl sich Anita W***** als Lebensgefährtin des Erstbeschuldigten und Markus S*****, der Halbbruder Günter G*****s, in der Hauptverhandlung vom 8. September 2003 berechtigt (§ 152 Abs 1 Z 2 StPO) der Zeugenaussage entschlagen hatten (S 137 f).Mit dem angefochtenen Urteil des Bezirksgerichtes Hall/Tirol vom 11. März 2004, GZ 3 U 69/03t-38, wurden Christian Hilmar H***** und Günter G***** des Vergehens der Körperverletzung nach Paragraph 83, Absatz eins, StGB schuldig erkannt und zu Geldstrafen verurteilt. Den Schuldspruch stützte das Bezirksgericht vergleiche US 8) ua auf den Inhalt der mit den Zeugen Anita W***** (S 29 ff) und Markus S***** (S 43 f) von der Gendarmerie aufgenommenen Niederschriften, obwohl sich Anita W***** als Lebensgefährtin des Erstbeschuldigten und Markus S*****, der Halbbruder Günter G*****s, in der Hauptverhandlung vom 8. September 2003 berechtigt (Paragraph 152, Absatz eins, Ziffer 2, StPO) der Zeugenaussage entschlagen hatten (S 137 f).
Die bezeichneten Vernehmungsprotokolle sind Teil der Anzeige ON 2, die vom Bezirksrichter in der Hauptverhandlung vom 11. März 2004 "gemäß § 252/2 StPO" zur Gänze verlesen wurde (S 213). Das Urteil ist in Ansehung Günter G*****s in Rechtskraft erwachsen. Hingegen hat Christian Hilmar H***** sogleich nach Verkündung des Urteils "volle" Berufung angemeldet (S 215), das Rechtsmittel aber - unter ausdrücklicher Erklärung der Zurückweisung der Berufung wegen Nichtigkeit - nur wegen des Ausspruches über die Schuld und die Strafe ausgeführt (ON 42). Über diese Berufung hat das Landesgericht Innsbruck nicht entschieden, sondern eine Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes angeregt, weil der durch die Verlesung begründete, aber vom Berufungswerber nicht geltend gemachte Nichtigkeitsgrund (nach § 468 Abs 1 Z 3 StPO) vom Berufungsgericht nicht aufgegriffen werden kann.Die bezeichneten Vernehmungsprotokolle sind Teil der Anzeige ON 2, die vom Bezirksrichter in der Hauptverhandlung vom 11. März 2004 "gemäß Paragraph 252 /, 2, StPO" zur Gänze verlesen wurde (S 213). Das Urteil ist in Ansehung Günter G*****s in Rechtskraft erwachsen. Hingegen hat Christian Hilmar H***** sogleich nach Verkündung des Urteils "volle" Berufung angemeldet (S 215), das Rechtsmittel aber - unter ausdrücklicher Erklärung der Zurückweisung der Berufung wegen Nichtigkeit - nur wegen des Ausspruches über die Schuld und die Strafe ausgeführt (ON 42). Über diese Berufung hat das Landesgericht Innsbruck nicht entschieden, sondern eine Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes angeregt, weil der durch die Verlesung begründete, aber vom Berufungswerber nicht geltend gemachte Nichtigkeitsgrund (nach Paragraph 468, Absatz eins, Ziffer 3, StPO) vom Berufungsgericht nicht aufgegriffen werden kann.
Rechtliche Beurteilung
Wie der Generalprokurator in der Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes zutreffend aufzeigt, widerspricht die Verlesung der von Gendarmeriebeamten mit Anita W***** und Markus S***** aufgenommenen Niederschriften dem Gesetz, weil amtliche Protokolle über die Vernehmung von Zeugen nicht zu den im Abs 2 des § 252 StPO bezeichneten Urkunden gehören, sondern vom (beschränkten) Verlesungsverbot des Abs 1 leg cit erfasst werden. Einer der dort genannten, eine Verlesung gestattenden Ausnahmefälle ist nicht vorgelegen; insbesondere fand weder eine kontradiktorische Vernehmung der Zeugen (s § 252 Abs 1 Z 2a StPO) statt noch erfolgte die Verlesung einverständlich (§ 252 Abs 1 Z 4 StPO).Wie der Generalprokurator in der Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes zutreffend aufzeigt, widerspricht die Verlesung der von Gendarmeriebeamten mit Anita W***** und Markus S***** aufgenommenen Niederschriften dem Gesetz, weil amtliche Protokolle über die Vernehmung von Zeugen nicht zu den im Absatz 2, des Paragraph 252, StPO bezeichneten Urkunden gehören, sondern vom (beschränkten) Verlesungsverbot des Absatz eins, leg cit erfasst werden. Einer der dort genannten, eine Verlesung gestattenden Ausnahmefälle ist nicht vorgelegen; insbesondere fand weder eine kontradiktorische Vernehmung der Zeugen (s Paragraph 252, Absatz eins, Ziffer 2 a, StPO) statt noch erfolgte die Verlesung einverständlich (Paragraph 252, Absatz eins, Ziffer 4, StPO).
Weil sich diese Gesetzesverletzung zum Nachteil der beiden Beschuldigten ausgewirkt hat, war das Urteil des Bezirksgerichts Hall/Tirol gemäß § 292 letzter Satz StPO aufzuheben und dem Erstgericht die Neudurchführung des Verfahrens über den Bestrafungsantrag des öffentlichen Anklägers aufzutragen.Weil sich diese Gesetzesverletzung zum Nachteil der beiden Beschuldigten ausgewirkt hat, war das Urteil des Bezirksgerichts Hall/Tirol gemäß Paragraph 292, letzter Satz StPO aufzuheben und dem Erstgericht die Neudurchführung des Verfahrens über den Bestrafungsantrag des öffentlichen Anklägers aufzutragen.
Anmerkung
E75846
11Os119.04-2
European Case Law Identifier (ECLI)
ECLI:AT:OGH0002:2004:0110OS00119.04.1207.000
Dokumentnummer
JJT_20041207_OGH0002_0110OS00119_0400000_000