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Entscheidung 11 Os 70/06p×

Entscheidung 11 Os 70/06p

Rechtstracker.at · Quelle: RIS (Bundeskanzleramt)

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Rechtsgebiet

Strafrecht

Geschäftszahl

11Os70/06p

Entscheidungsdatum

19.09.2006

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 19. September 2006 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr. Mayrhofer als Vorsitzenden sowie durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr. Ebner, Dr. Danek, Dr. Schwab und Dr. Lässig als weitere Richter, in Gegenwart der Richteramtsanwärterin Mag. Bussek als Schriftführerin, in der Strafsache gegen Peter P***** wegen des Vergehens der Sachbeschädigung nach Paragraph 125, StGB über die vom Generalprokurator gegen das Urteil des Landesgerichtes für Strafsachen Wien vom 21. April 2006, GZ 041 E Hv 70/05w-28, erhobene Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes nach öffentlicher Verhandlung in Anwesenheit des Vertreters des Generalprokurators, Generalanwalt Mag. Knibbe, zu Recht erkannt:

Spruch

Das Urteil des Landesgerichtes für Strafsachen Wien vom 21. April 2006, GZ 041 E Hv 70/05w-28, verletzt, soweit damit Peter P***** wegen des Vergehens der Sachbeschädigung nach Paragraph 125, StGB verurteilt wurde, das Gesetz in den Bestimmungen der Paragraphen 166, Absatz eins und Absatz 3, StGB sowie Paragraph 2, Absatz 2, StPO.

Dieses Urteil wird in seinem Schuldspruch und dem darauf beruhenden Strafausspruch sowie in der Kostenentscheidung aufgehoben und es wird in der Sache selbst erkannt:

Peter P***** wird von der Anklage, er habe am 20. Oktober 2005 in Wien eine fremde Sache, nämlich den rechten Vorderreifen des PKWs der Marcela P***** durch Aufstechen mit einem Messer beschädigt, gemäß Paragraph 259, Ziffer eins, StPO freigesprochen.

Text

Gründe:

Im Verfahren AZ 041 E Hv 70/05w des Landesgerichtes für Strafsachen Wien wurden Peter P***** mit Strafantrag der Staatsanwaltschaft Wien vom 8. November 2005 (ON 3) die jeweils zum Nachteil seiner Gattin Marcela P***** begangenen Vergehen der gefährlichen Drohung nach Paragraph 107, Absatz eins, StGB, der Nötigung nach Paragraph 105, Absatz eins, StGB und der Sachbeschädigung nach Paragraph 125, StGB zur Last gelegt.

Mit dem unbekämpft in Rechtskraft erwachsenen, in gekürzter Form (Paragraph 458, Absatz 3, StPO) ausgefertigten Urteil vom 21. April 2006 wurde Peter P***** des Vergehens der Sachbeschädigung nach Paragraph 125, StGB schuldig erkannt und zu einer Geldstrafe verurteilt, von den übrigen Anklagepunkten aber freigesprochen.

Rechtliche Beurteilung

Der Schuldspruch steht, wie der Generalprokurator in seiner Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes zutreffend aufzeigt, mit dem Gesetz nicht im Einklang.

Nach Paragraph 166, Absatz eins und Absatz 3, StGB ist, wer eine Sachbeschädigung zum Nachteil seines Ehegatten begeht, nur auf Verlangen des Verletzten zu verfolgen. Gemäß Paragraph 2, Absatz 2, StPO wäre daher nur Marcela P***** zur Erhebung der (Privat-)Anklage wegen des Vergehens der Sachbeschädigung befugt gewesen. Dem auf den Strafantrag der Staatsanwaltschaft zurückgehenden Schuldspruch nach Paragraph 125, StGB fehlt sohin die nach dem Gesetz erforderliche Anklage; der Beschuldigte wäre vielmehr gemäß Paragraph 259, Ziffer eins, StPO freizusprechen gewesen. Weil Peter P***** mit dem solcherart nichtigen Urteil zu einer Strafe verurteilt wurde, war nicht nur die aufgezeigte Gesetzesverletzung festzustellen, sondern überdies gemäß Paragraph 292, letzter Satz StPO das Urteil in seinem Schuld- und Strafausspruch sowie in der Kostenentscheidung aufzuheben und der Beschuldigte freizusprechen.

Anmerkung

E82216 11Os70.06p

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2006:0110OS00070.06P.0919.000

Dokumentnummer

JJT_20060919_OGH0002_0110OS00070_06P0000_000