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Entscheidung 11 Os 90/94

Rechtstracker.at · Quelle: RIS (Bundeskanzleramt)

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Rechtsgebiet

Strafrecht

Geschäftszahl

11Os90/94

Entscheidungsdatum

19.07.1994

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 19.Juli 1994 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr.Lachner als Vorsitzenden und durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr.Hager, Dr.Schindler, Dr.Mayrhofer und Dr.Schmucker als weitere Richter, in Gegenwart des Richteramtsamtsanwärters Mag.Kriz als Schriftführer, in der Strafsache gegen Valentin K***** und andere wegen des Verbrechens nach Paragraph 12, Absatz eins und Absatz 3, Ziffer 3, SGG und einer anderen strafbaren Handlung über die von der Generalprokuratur erhobene Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes gegen das Urteil des Landesgerichtes für Strafsachen Graz als Schöffengericht vom 30.Juli 1993, GZ 8 römisch fünf r 928/92-98, nach öffentlicher Verhandlung in Anwesenheit des des Vertreters der Generalprokuratur, Generalanwalt Dr.Fabrizy, und des Verteidigers Mag.Dlaska für Valentin K***** und Nikolae O*****, jedoch in Abwesenheit der Verurteilten Valentin K*****, Stanimir A***** und Nikolae O***** zu Recht erkannt:

Spruch

Das Urteil des Landesgerichtes für Strafsachen Graz vom 30.Juli 1993, GZ 8 römisch fünf r 928/92-98, verletzt durch die Schuldsprüche des Valentin K***** und Stanimir A***** wegen des Finanzvergehens des Schmuggels nach Paragraph 35, Absatz eins, FinStrG sowie des Nikolae O***** wegen des Finanzvergehens der teils vollendeten, teils versuchten Abgabenhehlerei nach Paragraphen 37, Absatz eins, Litera a,, 13 FinStrG das Gesetz in der Bestimmung des Paragraph 53, Absatz eins und Absatz 2, FinStrG.

Dieses Urteil, das im übrigen unberührt bleibt, wird in den genannten Schuldsprüchen (römisch drei und römisch vier) sowie in den darauf beruhenden Strafaussprüchen nach dem Finanzstrafgesetz aufgehoben; im Umfang der Aufhebung wird gemäß Paragraph 292, StPO in der Sache selbst erkannt:

Valentin K*****, Stanimir A***** und Nikolae O***** werden von dem Anklagevorwurf, sie haben gewerbsmäßig, und zwar

1. Valentin K***** und Stanimir A***** am 18.März 1992 (aus Ungarn kommend) anläßlich der Einreise mit dem PKW Mercedes 190 des Valentin K***** eingangsabgabepflichtige Waren, nämlich 481 Gramm Heroin, auf welchen Eingangsabgaben an Zoll von 48.100 S, Einfuhrumsatzsteuer von 44.620 S und Außenhandelsförderungsbeitrag von 525 S (insgesamt 93.245 S) lasten, vorsätzlich unter Verletzung der zollrechtlichen Stellungs- und Erklärungspflicht dem Zollverfahren entzogen,

2. Nikolae O***** am 23.März 1992 in Graz vorsätzlich eine eingangsabgabepflichtige Ware, nämlich 477 Gramm Heroin, hinsichtlich welcher ein Schmuggel begangen wurde, an sich gebracht und zu verhandeln versucht

und es haben hiedurch Valentin K***** und Stanimir A***** das Finanzvergehen des Schmuggels nach Paragraphen 35, Absatz eins, 38, Absatz eins, Litera a, FinStrG und Nikolae O***** das Finanzvergehen der versuchten vorsätzlichen Abgabenhehlerei nach Paragraphen 13, 37, Absatz eins, Litera a,, 38 Absatz eins, Litera a, FinStrG begangen, wegen Unzuständigkeit der Gerichte gemäß Paragraph 214, FinStrG freigesprochen.

Text

Gründe:

Rechtliche Beurteilung

Mit dem Urteil des Landesgerichtes für Strafsachen Graz vom 30.Juli 1993, GZ 8 römisch fünf r 928/92-98, wurden Valentin K*****, Stanimir A***** und Nikolae O***** neben (ua) dem Verbrechen nach Paragraph 12, Absatz eins und Absatz 3, Ziffer 3, SGG wegen des im Spruch ersichtlichen Sachverhalts - allerdings abweichend vom auch in Richtung gewerbsmäßiger Tatbegehung lautenden Anklagevorwurf - nur der (nicht qualifizierten) Finanzvergehen, und zwar K***** und A***** des Schmuggels nach Paragraph 35, Absatz eins, FinStrG und O***** der Abgabenhehlerei nach Paragraph 37, Absatz eins, Litera a, FinStrG (Punkt römisch drei und römisch vier des Urteilssatzes) schuldig erkannt und hiefür gesondert (Paragraph 22, Absatz eins, FinStrG) zu Geldstrafen verurteilt.

Wie die Generalprokuratur in ihrer Nichtigkeitsbeschwerde zur Wahrung des Gesetzes zutreffend geltend macht, stehen die Schuldsprüche wegen der Finanzvergehen mit dem Gesetz nicht im Einklang.

Gemäß Paragraph 53, Absatz eins, FinStrG ist das Gericht zur Ahndung von Finanzvergehen nur dann zuständig, wenn sich die Strafe wegen erschwerender Umstände nach Paragraph 38, FinStrG richtet (Litera a,), oder wenn das Finanzvergehen vorsätzlich begangen wurde und der Wertbetrag, nach dem sich die Strafdrohung richtet (strafbestimmender Wertbetrag), 1 Million Schilling übersteigt oder wenn die Summe der strafbestimmenden Wertbeträge aus mehreren zusammentreffenden vorsätzlich begangenen Finanzvergehen 1 Million Schilling übersteigt und alle diese Vergehen in die örtliche und sachliche Zuständigkeit derselben Finanzstrafbehörde fielen (Litera b,). Gemäß Paragraph 53, Absatz 2, FinStrG tritt im Absatz eins, Litera b, an die Stelle des Wertbetrages von 1 Million Schilling der Wertbetrag von 500.000 S in den Fällen des Schmuggels bzw der Hinterziehung von Eingangs- oder Ausgangsabgaben (Paragraph 35, FinStrG) und der Abgabenhehlerei nach Paragraph 37, Absatz eins, FinStrG mit Sachen, hinsichtlicher derer ein Schmuggel, eine Verzollungsumgehung oder eine Verkürzung von Eingangs- oder Ausgangsabgaben begangen wurde.

Vorliegend ist die Wertzuständigkeit nach Paragraph 53, Absatz eins, Litera b,, Absatz 2, Litera a, bzw b FinStrG nicht gegeben, weil die die einzelnen Täter treffenden strafbestimmenden Wertbeträge 500.000 S jeweils nicht übersteigen. Es liegen aber auch die Voraussetzungen des Paragraph 53, Absatz eins, Litera a, FinStrG nicht vor, weil das Gericht im Gegensatz zu dem im ersten Rechtsgang erfolgten Schuldspruch nunmehr keinen der im Paragraph 38, Absatz eins, FinStrG genannten erschwerenden Umstände als gegeben festgestellt hat.

Mit den in Rede stehenden Schuldsprüchen hat daher das Landesgericht für Strafsachen Graz seine Kompetenz überschritten, weshalb in Stattgebung der von der Generalprokuratur gemäß Paragraph 33, Absatz 2, StPO erhobenen Nichtigkeitsbeschwerde spruchgemäß zu erkennen war.

Anmerkung

E36192

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:1994:0110OS00090.9408.0719.0

Dokumentnummer

JJT_19940719_OGH0002_0110OS00090_9400008_000