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Entscheidung 12 Os 185/09m×

Entscheidung 12 Os 185/09m

Rechtstracker.at · Quelle: RIS (Bundeskanzleramt)

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Rechtsgebiet

Strafrecht

Geschäftszahl

12Os185/09m

Entscheidungsdatum

11.02.2010

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 11. Februar 2010 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofs Dr. Holzweber als Vorsitzenden sowie durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofs Hon.-Prof. Dr. Schroll, Dr. Schwab, Dr. T. Solé und die Hofrätin des Obersten Gerichtshofs Mag. Hetlinger als weitere Richter in Gegenwart der Rechtspraktikantin Mag. Jauk als Schriftführerin in der Strafsache gegen S***** D***** und einen weiteren Angeklagten wegen des Verbrechens des Raubes nach Paragraph 142, Absatz eins, StGB und weiterer strafbarer Handlungen über die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des Angeklagten A***** P***** gegen das Urteil des Landesgerichts für Strafsachen Wien als Jugendschöffengericht vom 16. September 2009, GZ 142 Hv 74/09g-18, sowie über die Beschwerde gegen den zugleich gefassten Beschluss nach Paragraphen 50, 52, StGB nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:

Spruch

In Stattgebung der Nichtigkeitsbeschwerde wird das angefochtene Urteil, das im Übrigen unberührt bleibt, in dem den Angeklagten P***** betreffenden Teil einschließlich des gemäß Paragraph 50, StGB gefassten Beschlusses aufgehoben, eine neue Hauptverhandlung angeordnet und die Sache insoweit an das Erstgericht verwiesen.

Mit seiner Berufung und Beschwerde wird der Angeklagte P***** auf diese Entscheidung verwiesen.

Text

Gründe:

Mit dem angefochtenen Urteil wurden S***** D***** des Vergehens der dauernden Sachentziehung nach Paragraph 135, Absatz eins, StGB (römisch eins./A./) und des Vergehens der gefährlichen Drohung nach Paragraph 107, Absatz eins, StGB (römisch eins./B./) sowie S***** D***** und A***** P***** des Verbrechens des Raubes nach Paragraph 142, Absatz eins, StGB (römisch zwei./) schuldig erkannt.

Danach haben S***** D***** und A***** P***** am 1. Mai 2009 in Wien

römisch eins./ S***** D***** den M***** H*****

A./ dadurch geschädigt, dass er eine fremde bewegliche Sache aus dessen Gewahrsam dauernd entzog, ohne die Sache sich oder einem Dritten zuzueignen, indem er dessen Wollhaube im Wert von 10 Euro auf einem Veranstaltungsgelände wegwarf;

B./ mit den Worten „Wenn ich dich das nächste Mal sehe, steche ich dich ab" gefährlich bedroht, um ihn in Furcht und Unruhe zu versetzen;

römisch zwei./ S***** D***** und A***** P***** im bewussten und gewollten Zusammenwirken als Mittäter mit Gewalt gegen eine Person oder durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben (Paragraph 89, StGB) dem M***** H***** eine fremde bewegliche Sache, nämlich dessen Mobiltelefon mit dem Vorsatz weggenommen, sich durch deren Zueignung unrechtmäßig zu bereichern, indem S***** D***** ihm mit der Faust ins Gesicht schlug und würgte sowie A***** P***** mit dem Fuß gegen dessen Oberschenkel trat.

Rechtliche Beurteilung

Dagegen richtet sich die auf Paragraph 281, Absatz eins, Ziffer 9, Litera a, (inhaltlich Ziffer 5,), 10 und 10a StPO gestützte Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten A***** P*****, der Berechtigung zukommt.

Die inhaltlich als Mängelrüge ausgeführte Rechtsrüge zeigt zutreffend eine Aktenwidrigkeit (Ziffer 5, fünfter Fall) auf, weil die Tatrichter ihren den Beschwerdeführer betreffenden Schuldspruch auf dessen umfassendes Geständnis stützten (US 7). Demgegenüber erklärte der Zweitangeklagte zu Beginn der Hauptverhandlung zwar, dass er sich schuldig bekenne (S 5 in ON 17), präzisierte aber danach seine Einlassung im Sinne seiner Verantwortung vor der Polizei (S 91 in ON 2) dahin gehend, dass die Forderung des S***** D***** gegenüber M***** H***** auf Herausgabe des Handys nicht mit ihm abgesprochen worden war (S 11 in ON 17).

Dazu kommt die vom Nichtigkeitswerber inhaltlich gleichfalls zu Recht aufgezeigte Unvollständigkeit (Ziffer 5, zweiter Fall), zumal das erkennende Gericht die Angaben des Erstangeklagten ungewürdigt ließ, wonach er das Handy weggenommen habe, ohne sich vorher mit A***** P***** darüber abzusprechen (S 9 in ON 17).

Aufgrund dieser Begründungsmängel zeigt sich, dass die Anordnung einer neuen Hauptverhandlung nicht zu vermeiden ist, sodass der Nichtigkeitsbeschwerde bei nichtöffentlicher Beratung sofort Folge zu geben, das den Rechtsmittelwerber betreffende Urteil aufzuheben und die Sache an das Erstgericht zu neuer Verhandlung und Entscheidung zu verweisen war (Paragraph 285 e, StPO).

Auf die weiteren Argumente in der Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten A***** P***** war daher nicht weiter einzugehen.

Mit seiner Berufung und der implizierten Beschwerde war der Beschwerdeführer auf diese Entscheidung zu verweisen.

Textnummer

E93331

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2010:0120OS00185.09M.0211.000

Im RIS seit

30.04.2010

Zuletzt aktualisiert am

30.04.2010

Dokumentnummer

JJT_20100211_OGH0002_0120OS00185_09M0000_000