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Entscheidung 14 Os 111/01×

Entscheidung 14 Os 111/01

Rechtstracker.at · Quelle: RIS (Bundeskanzleramt)

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Rechtsgebiet

Strafrecht

Geschäftszahl

14Os111/01

Entscheidungsdatum

07.05.2002

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 7. Mai 2002 durch den Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr. Massauer als Vorsitzenden und durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofes Dr. Mayrhofer, Dr. Holzweber, Dr. Ratz und Dr. Philipp als weitere Richter, in Gegenwart des Richteramtsanwärters Mag. Reiter als Schriftführer, in der Strafsache gegen Erich B***** und andere Angeklagte wegen des Verbrechens des schweren Betruges nach Paragraphen 146, 147, Absatz eins, Ziffer eins und Absatz 3, StGB über die Nichtigkeitsbeschwerden der Angeklagten Erich B***** und Nadda G***** sowie die Berufungen der Angeklagten Erich B*****, Siegfried G*****, Nadda G***** und Claudia Maria B***** sowie der Staatsanwaltschaft hinsichtlich der genannten Angeklagten gegen das Urteil des Landesgerichtes Innsbruck als Schöffengericht vom 16. Jänner 2001, GZ 27 römisch fünf r 1.327/99-92, nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung den Beschluss

gefasst:

Spruch

Die Nichtigkeitsbeschwerden der Angeklagten Erich B***** und Nadda G***** sowie die Berufung des Angeklagten Siegfried G***** wegen Schuld werden zurückgewiesen.

Zur Entscheidung über die Berufungen der Angeklagten Erich B*****, Siegfried G*****, Nadda G***** und Claudia Maria B***** sowie der Staatsanwaltschaft (hinsichtlich der genannten Angeklagten) jeweils wegen des Ausspruches über die Strafe werden die Akten dem Oberlandesgericht Innsbruck zugeleitet.

Den Angeklagten Erich B*****, Siegfried G*****, Nadda G***** und Claudia Maria B***** fallen auch die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.

Text

Gründe:

Mit dem angefochtenen Urteil wurden die Angeklagten Erich B***** (Schuldspruch 1 und 2), Siegfried G***** und Nadda G***** (je Schuldspruch 1) des Verbrechens des schweren Betruges nach Paragraphen 146, 147, Absatz eins, Ziffer eins und Absatz 3, StGB und Claudia Maria B***** (Schuldspruch 2) des Vergehens des schweren Betruges nach Paragraphen 146, 147, Absatz 2, StGB schuldig erkannt.

Darnach haben Erich B*****, Siegfried G*****, Nadda G***** und Claudia Maria B***** mit dem Vorsatz unrechtmäßiger Bereicherung den Nikolaus S*****, geborener N*****, durch Täuschung über Tatsachen zu Handlungen verleitet, durch welche dieser in einem Betrag von 3,620.000 S an seinem Vermögen geschädigt wurde, wobei der zu verantwortende Schadensbetrag bei Erich B***** 3,620.000 S, bei Siegfried G***** und Nadda G***** je 3,500.000 S und bei Claudia Maria B***** 120.000 S beträgt, und zwar:

(1) Erich B*****, Siegfried G***** und Nadda G***** im bewussten gewollten Zusammenwirken als Mittäter im September, Oktober und November 1996 in Innsbruck durch die falsche Behauptung, Nadda G***** beabsichtige den Ankauf einer Liegenschaft in Hötting ("W***** Villa") zum Preis von 8,950.000 S, ein Dr. Manfred D***** habe seinerseits ein Kaufanbot über 11,000.000 S an Nadda G***** gestellt, zur Zwischenfinanzierung dieses lukrativen Geschäftes werde Geld benötigt, Nikolaus S***** werde aus dem Gewinn 500.000 S erhalten, zur Ausfolgung von 3,5 Mio S, wobei sie zur Täuschung ein durch Nachmachen der Unterschrift des Dr. Manfred D***** verfälschtes Kaufanbot, sohin eine falsche Urkunde verwendeten, und

(2) Erich B***** und Claudia Maria B***** im bewussten und gewollten Zusammenwirken als Mittäter am 7. März 1997 in Innsbruck durch die falsche Vorgabe, das auf Claudia Maria B***** lautende Bausparkassenguthaben zum Vertrag Nr ***** der B***** AG und das auf Erich B***** lautende Bausparkassenguthaben zum Vertrag Nr ***** dem Nikolaus S***** zur Sicherheit abzutreten, wobei sie verschwiegen, dass die Guthaben aus diesen Verträgen bereits am 16. Juli 1996 und 8. Oktober 1996 an die Sparkasse ***** verpfändet worden waren, zur Ausfolgung von 120.000 S.

Rechtliche Beurteilung

Die von den Angeklagten Erich B***** und Nadda G***** jeweils gegen den Schuldspruch 1 erhobenen, von Erich B***** auf Paragraph 281, Absatz eins, Ziffer 4, 5 und 5 a und von Nadda G***** auf Paragraph 281, Absatz eins, Ziffer 5 und 5 a gestützten Nichtigkeitsbeschwerden gehen fehl.

Zur Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten Erich B*****:

Seiner Verfahrensrüge (Ziffer 4,) zuwider wurde der Beschwerdeführer durch die Ablehnung der in der Hauptverhandlung gestellten Beweisanträge (S 527/III) in seinen Verteidigungsrechten nicht beeinträchtigt:

Sein Verteidiger hatte in der Hauptverhandlung vom 16. Jänner 2001 die Vernehmung des Zeugen Stefan K***** beantragt (S 525 in ON 91), nämlich "zum Beweise des Gegenteiles" (S 525/III) dazu, dass Stefan K***** dem Siegfried G***** (entgegen dessen Behauptung) als privater Darlehensgeber 2,2 Mio S zur Verfügung gestellt habe, sodass er für die Abdeckung dieses in seinem (G*****s) Zwangsversteigerungsverfahren benötigten Betrages nicht die von Erich B***** übergebenen 3,5 Mio S habe heranziehen müssen. Dieses Beweisthema ist aber für die Beurteilung der Verantwortlichkeit des Beschwerdeführers - wie das Erstgericht, wenngleich unter Verstoß gegen Paragraph 238, Absatz 2, StPO, im Ergebnis allerdings zutreffend ausführte (S 527/III) - unerheblich, weil es für den Betrugsvorsatz des Beschwerdeführers denkschlüssig ohne Bedeutung ist, ob die Angaben Siegfried G*****s über die Herkunft von Geldmitteln zur Tilgung eigener Schulden unwahr sind.

Das Gleiche gilt auch für den weiteren ebenfalls in der Hauptverhandlung vom 16. Jänner 2001 (S 433/III in ON 90 in Verbindung mit S 519/III, siehe auch S 523/III) vom Beschwerdeführer gestellten Antrag auf Einvernahme des Zeugen Prok. N. K***** zum Beweise dafür, dass Siegfried G***** einen Betrag von 2,1 Mio S - gemeint offensichtlich nachdem ihm am selben Tag von Erich B***** 3,5 Mio S übergeben worden waren - am 23. September 1996 um 15 Uhr bar an die Landes-Hypothekenbank Tirol zum Zwecke der Einstellung des Zwangsversteigerungsverfahrens zur Einzahlung gebracht habe. Diesem Beweisantrag, der nach dem ergänzenden Vorbringen des Beschwerdeführers (S 433/III in ON 90 in Verbindung mit S 519/III) dazu dienen sollte, die Behauptung des Mitangeklagten Siegfried G***** zu widerlegen, dieser habe vom Beschwerdeführer nie einen Betrag von 3,5 Mio S erhalten, welchen der Beschwerdeführer nach seiner Verantwortung mit Wissen des Nikolaus N***** und im guten Glauben, dass damit tatsächlich der von Siegfried G***** geplante Ankauf der Wagner-Villa finanziert werde, übergeben hatte (S 434/III), fehlt es in gleicher Weise an Relevanz.

Den weiteren Ausführungen der Verfahrensrüge in Ansehung der Ablehnung einer Vernehmung der "mit Eingabe vom 23. 8. 2000 (eingelangt bei Gericht am 4. 9. 2000)" (ON 81) begehrten Zeugen Otto G*****, Eren F*****, Egon M***** und eines informierten Vertreters der Firma Mercedes Hans H***** GmbH ist zu entgegnen, dass es diesbezüglich für eine erfolgreiche Geltendmachung schon an einem in der (gemäß Paragraph 276 a, StPO) neu durchgeführten Hauptverhandlung vom 16. Jänner 2001 (ON 91) gestellten Beweisantrag fehlt.

Auch die undifferenziert auf die Nichtigkeitsgründe der Ziffer 5 und 5 a des Paragraph 281, Absatz eins, StPO gestützten Ausführungen des Beschwerdeführers erweisen sich als nicht zielführend.

Dem Beschwerdevorbringen zuwider ist der in der Beschwerde entstellt wiedergegebene Schluss des Erstgerichtes, wonach der Umstand, dass der Beschwerdeführer die ihm am 12. September 1996 zugekommene negative Bonitätsauskunft der B***** (siehe Zeuge P*****, S 515/III) betreffend den angeblichen Kaufinteressenten Dr. Manfred D***** dem Kreditgeber (richtig wohl: Bezogenen des Sicherungswechels, der an die kreditgewährende B***** weitergegeben wurde) Nikolaus S***** verschwiegen habe, ein entscheidendes Indiz für den Betrugsvorsatz des Beschwerdeführers Erich B***** sei (US 15), keineswegs denkgesetzwidrig.

Dass der Angeklagte Erich B***** selbst bei der B***** ***** die Einholung der Bonitätsauskunft betreffend Dr. D***** veranlasst hat (Blg./H zu ON 63), vermag erhebliche Bedenken im Sinne der Ziffer 5 a, an der Richtigkeit des festgestellten Betrugsvorsatzes (US 10, 11) nicht zu erwecken, konnte er doch schon auf Grund des Berufes des Zahnarztes Dr. Manfred D***** - dessen Unterschrift am Kaufanbot vom 31. Juli 1996 betreffend die "W*****-Villa" (S 383 f/I) gefälscht war (US 12) - von vornherein jedenfalls mit einer positiven Bonitätsauskunft rechnen.

Im Übrigen werden im Beschwerdevorbringen keine formellen Begründungsmängel des Ausspruchs über entscheidende Tatsachen (Ziffer 5,) deutlich und bestimmt (Paragraph 285 a, Ziffer 2, StPO) geltend gemacht und auch keine sich aus den Akten ergebenden erheblichen Bedenken gegen die Richtigkeit der dem Ausspruch über die Schuld zugrunde gelegten entscheidenden Tatsachen bestimmt behauptet, sondern es wird unzulässigerweise bloß nach Art einer Schuldberufung die Beweiswürdigung der Tatrichter bekämpft, sodass es an einer prozessordnungsgemäßen Ausführung der Nichtigkeitsbeschwerde mangelt.

Zur Nichtigkeitsbeschwerde der Angeklagten Nadda G*****:

Der Mängelrüge (Ziffer 5,) zuwider ließen die Tatrichter die für die Mitwirkung Nadda G*****s am Betruge entscheidende Feststellung, wonach diese gegenüber dem "Kreditgeber" (richtig: Wechselbürgen) Nikolaus S***** zu Unrecht vorgegeben hat, bereits Eigentümerin der von ihr zur Sicherstellung verwendeten Liegenschaft EZ 2893, KG ***** (sogenannte "W*****-Villa") zu sein, keineswegs unbegründet, sondern verwiesen hiezu denkrichtig auf den Inhalt der Pfandurkunde (S 377/I; siehe entsprechendes Klammerzitat auf US 13). Als verfehlt erweist sich auch der weitere Beschwerdeeinwand, das Erstgericht habe (in der Beschwerde wörtlich wiedergegebene) Angaben der Mitangeklagten Erich B***** und Siegfried G***** sowie einer Reihe weiterer Zeugen - die alle der Feststellung, wonach Nadda G***** einverständlich am Betrug mitwirkte (US 10 f), entgegenstünden - übergangen.

Eine Erörterung der Angaben der in der Hauptverhandlung vom 8. Feber 2000 einvernommenen Zeugen Rechtsanwalt Dr. Markus H***** (S 185 ff/III) und Gustav W***** (S 195/III) konnte schon deshalb unterbleiben, weil sie in die am 16. Jänner 2001 neu durchgeführte Hauptverhandlung (ON 91) nicht Eingang gefunden haben. Die Auseinandersetzung mit den in der Beschwerde wörtlich zitierten Passagen der in der Hauptverhandlung vom 16. Jänner 2001 (ON 91) vernommenen Zeugen Mag. Martin P***** und Nikolaus N***** (nunmehr nach Adoption: S*****) sowie des Notars Dr. Bernhard F***** war auch nicht geboten, weil der Umstand, dass die Beschwerdeführerin mit dem Wechselbürgen S***** überhaupt keinen und mit den anderen Zeugen nur geringfügigen Kontakt hatte, einen Rückschluss auf ihren Vorsatz bei Unterfertigung der (später zum Herauslocken der Wechselbürgschaft verwendeten) Urkunden (Kaufvertragsurkunde vom 31. Juli 1996, Pfandbestellungsurkunde vom 19. September 1996) nicht zulässt. Die Angaben der Angeklagten Erich B***** und Siegfried G*****, die in der Hauptverhandlung vom 16. Jänner 2001 auf ihre früheren Angaben verwiesen haben (S 439/III), hat das Erstgericht ohnehin erörtert, ihnen jedoch mit schlüssiger Begründung jegliche Glaubwürdigkeit abgesprochen (US 14 ff).

Die Feststellung, dass die Angeklagte Nadda G***** von vornherein in das Betrugsvorhaben (insbesondere durch Verwendung des gestellten Kaufanbotes Dris. D*****) eingeweiht war und an der Umsetzung sodann durch notarielle Unterfertigung des Kaufvertrages betreffend die "W*****-Villa" und der Pfandbestellungsurkunde vom 19. September 1991 einverständlich mitwirkte, hat das Erstgericht - der Mängelrüge zuwider - ohnehin logisch und empirisch einwandfrei begründet (US 14, 17).

Mit ihrem Vorbringen zur Tatsachenrüge (Ziffer 5 a,) vermag die Beschwerdeführerin keine sich aus den Akten ergebenden erheblichen Bedenken gegen die entscheidenden tatrichterlichen Feststellungen darzutun. Diesen Ausführungen zuwider hat das Erstgericht keineswegs nur aus dem Umstand, dass sie die Ehegattin des Angeklagten Siegfried G***** ist, ihren Betrugsvorsatz abgeleitet, sondern insbesondere daraus, dass sie zum Betrug verwendete Urkunden sogar vor einem Notar unterfertigt hat (Pfandbestellungsurkunde vom 19. September 1996, S 377 ff/I), ein Vorgang der für sie nicht alltäglich war (US 17). Dass sich die Beschwerdeführerin bei den Kaufvertragsverhandlungen mit dem Ehepaar W***** und bei den Verhandlungen zwecks Erlangung der Wechselbürgschaft von Nikolaus S***** nach den Angaben der schon in der Mängelrüge genannten Zeugen und Mitangeklagten eher im Hintergrund gehalten hat, vermag gleichfalls keine erheblichen Bedenken an der Konstatierung des Betrugsvorsatzes der Beschwerdeführerin zu erwecken.

Die Nichtigkeitsbeschwerden der Angeklagten Erich B***** und Nadda G***** waren daher bereits bei einer nichtöffentlichen Beratung sofort zurückzuweisen (Paragraph 285, Absatz eins, StPO). In gleicher Weise war mit der gegen kollegialgerichtliche Urteile unzulässigen Berufung des Angeklagten Siegfried G***** wegen des Ausspruches über die Schuld zu verfahren.

Zur Entscheidung über die Berufungen der Angeklagten Erich B*****, Siegfried G*****, Nadda G***** und Claudia Maria B***** sowie der Staatsanwaltschaft (hinsichtlich aller genannten Angeklagten) jeweils wegen des Ausspruches über die Strafe ist der Gerichtshof zweiter Instanz zuständig (Paragraph 285 i, StPO).

Die Kostenentscheidung ist in Paragraph 390 a, StPO begründet.

Anmerkung

E65871 14Os111.01

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2002:0140OS00111.01.0507.000

Dokumentnummer

JJT_20020507_OGH0002_0140OS00111_0100000_000