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Entscheidung 15 Os 177/09g×

Entscheidung 15 Os 177/09g

Rechtstracker.at · Quelle: RIS (Bundeskanzleramt)

Gericht

OGH

Dokumenttyp

Entscheidungstext

Rechtsgebiet

Strafrecht

Geschäftszahl

15Os177/09g

Entscheidungsdatum

20.01.2010

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat am 20. Jänner 2010 durch die Senatspräsidentin des Obersten Gerichtshofs Dr. Schmucker als Vorsitzende sowie durch die Hofräte des Obersten Gerichtshofs Dr. Danek, Dr. T. Solé und Mag. Lendl sowie die Hofrätin des Obersten Gerichtshofs Dr. Bachner-Foregger als weitere Richter in Gegenwart des Richteramtsanwärters Mag. Kleibel als Schriftführer in der Strafsache gegen Markus H***** und eine andere Angeklagte wegen des Verbrechens der schweren Erpressung nach Paragraphen 144, Absatz eins, 145, Absatz 2, Ziffer eins und Ziffer 2, 15, StGB und weiterer strafbarer Handlungen über die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung des genannten Angeklagten gegen das Urteil des Landesgerichts für Strafsachen Graz als Schöffengericht vom 26. August 2009, GZ 12 Hv 94/09f-38, nach Anhörung der Generalprokuratur in nichtöffentlicher Sitzung den Beschluss

gefasst:

Spruch

Die Nichtigkeitsbeschwerde wird zurückgewiesen.

Zur Entscheidung über die Berufung werden die Akten dem Oberlandesgericht Graz zugeleitet.

Dem Angeklagten Markus H***** fallen die Kosten des bisherigen Rechtsmittelverfahrens zur Last.

Text

Gründe:

Mit dem angefochtenen Urteil, das auch einen rechtskräftigen Schuldspruch der Mitangeklagten Sandra U***** sowie rechtskräftige Teilfreisprüche enthält, wurde Markus H***** (zu römisch eins./) des Verbrechens der schweren Erpressung nach Paragraphen 144, Absatz eins, 145, Absatz 2, Ziffer eins und Ziffer 2, 15, StGB, (zu römisch zwei./) der Vergehen der Nötigung nach Paragraph 105, Absatz eins, StGB, (zu römisch drei./) des Verbrechens des Raubes nach Paragraphen 15, 142, Absatz eins, StGB, (zu römisch vier./) des Vergehens der gefährlichen Drohung nach Paragraph 107, Absatz eins, StGB und (zu römisch fünf./) der Vergehen der Körperverletzung nach (richtig:) Paragraph 83, Absatz eins, StGB sowie Paragraphen 15, 83, Absatz eins, StGB schuldig erkannt. Danach hat er (zu ergänzen:) in Graz

römisch eins./ im bewussten und gewollten Zusammenwirken mit Sandra U***** von 16. März bis 28. April 2009 nachgenannte Personen mit dem Vorsatz, sich durch deren Verhalten unrechtmäßig zu bereichern und in der Absicht, sich durch die wiederkehrende Begehung der Tat eine fortlaufende Einnahme zu verschaffen, wobei sie die Erpressung gegen Andreas Z***** eine längere Zeit hindurch fortsetzten, teils mit Gewalt, nämlich durch Versetzen eines Messerstichs in den linken Unterschenkel Z*****s, teils durch gefährliche Drohung, nämlich die Ankündigung weiterer Körperverletzungen wie jener vom 16. März 2009 für den Fall der Nichtbefolgung ihrer Forderungen, zu den nachangeführten Handlungen, die diese am Vermögen schädigten, genötigt, und zwar

A./ Andreas Z***** am 16. März 2009 und am 23. März 2009 zur Überlassung von Somnubene- und Praxitentabletten, die er zuvor gegen Bezahlung einer Rezeptgebühr in der Apotheke bekommen hatte;

B./ Magdalena K***** am 21. April 2009 zur Übergabe eines Bargeldbetrags von 22 Euro;

C./ Andreas Z***** am 30. April 2009 zur Übergabe von Somnubene- und Praxitentabletten sowie eines Bargeldbetrags in unbekannter Höhe, wobei es aufgrund der Festnahme H*****s und U*****s durch die Kriminalpolizei beim Versuch blieb,

D./ Andreas Z***** und Magdalena K***** in der Nacht vom 8. zum 9. April 2009 zur Übergabe weiterer Somnubene- und Praxitentabletten, indem sie mit den Fäusten auf die Wohnungstür einschlugen, wobei H***** drohend äußerte: „Andi mach auf du Arschloch, sonst klescht es bei euch beiden wieder!", wobei die Tat beim Versuch blieb, weil Z***** und K***** die Tür nicht öffneten;

römisch zwei./ im bewussten und gewollten Zusammenwirken mit Sandra U***** am 15. April 2009 und am 23. April 2009 Andreas Z***** durch gefährliche Drohungen, nämlich durch die Ankündigung weiterer Körperverletzungen wie jener vom 16. März 2009 für den Fall der Nichtbefolgung ihrer Forderungen, zu einer Handlung, nämlich zur Übergabe des von seinem Arzt erhaltenen Rezepts für die Somnubene- und Praxitentabletten genötigt;

römisch drei./ am 16. März 2009 Andreas Z***** mit Gewalt fremde bewegliche Sachen mit dem Vorsatz, sich durch deren Zueignung unrechtmäßig zu bereichern, abgenötigt, und zwar sechs Streifen benzodiazepinhältiger Tabletten durch Versetzen von Faustschlägen und Schlägen mit der flachen Hand sowie Fußtritten gegen seinen Körper, wobei es in Ermangelung der gewünschten Beute beim Versuch blieb; römisch vier./ im bewussten und gewollten Zusammenwirken mit Sandra U***** in der „Nacht vom 7. April oder 8. April 2009" Andreas Z***** und Magdalena K***** durch die Äußerung „Trauts euch nicht in die Stadt, weil sonst klatsch´ ma euch so richtig auf!" mit einer Verletzung am Körper gefährlich bedroht, um sie in Furcht und Unruhe zu versetzen; römisch fünf./ nachgenannte Personen vorsätzlich am Körper verletzt, und zwar A./ am 16. März 2009 Andreas Z***** durch Versetzen eines Messerstichs in den linken Schenkel (Stichverletzung am linken Unterschenkel);

B./ im Februar oder März 2009 Dominic M***** durch Versetzen von Faustschlägen, wobei es beim Versuch blieb;

C./ im Februar oder März 2009 Matthias R***** durch Versetzen von Faustschlägen und Fußtritten (Prellungen mehrerer Körperteile).

Rechtliche Beurteilung

Dagegen richtet sich die auf Paragraph 281, Absatz eins, Ziffer 4, StPO gestützte Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten H*****; sie schlägt fehl. Die Verfahrensrüge (Ziffer 4,) kritisiert die Abweisung des vom Angeklagten in der Hauptverhandlung gestellten Beweisantrags auf Vernehmung der Zeugen Drazian J***** und Alexander G*****, welche zum Beweis dafür beantragt worden waren, dass Andreas Z***** und Magdalena K***** ihnen gegenüber gesagt hätten, die Angeklagten sollten „bei der Polizei fertig gemacht" werden, und dass sie weiters versucht hätten, G***** und J***** zu einer Körperverletzung anzustiften (ON 37, S 35 f).

Die Tatrichter durften den Antrag - der Beschwerde zuwider - ohne Verletzung von Verteidigungsrechten mit zutreffender Begründung abweisen, weil weder bei Antragstellung dargetan wurde noch offenkundig ist, inwieweit die unter Beweis zu stellenden Umstände für die Schuld- oder Subsumtionsfrage von Bedeutung seien. Soweit die Beschwerde dies mit der Behauptung einer ihrer Meinung nach daraus abzuleitenden Reduktion der Glaubwürdigkeit der den Angeklagten belastenden Aussagen der Zeugen Z***** und K***** nachzuholen trachtet, scheitert sie daran, dass für die Prüfung eines Zwischenerkenntnisses durch den Obersten Gerichtshof nur die tatsächlichen Anführungen maßgebend sein können, die dem erkennenden Gericht bei Fällung des angefochtenen Zwischenerkenntnisses vorgelegen sind, während erst im Rechtsmittelverfahren vorgebrachte Gründe tatsächlicher Art keine Berücksichtigung finden können (RIS-Justiz RS0099618).

Die Nichtigkeitsbeschwerde war daher bereits bei nichtöffentlicher Beratung sofort zurückzuweisen (Paragraph 285 d, Absatz eins, Ziffer 2, StPO), woraus die Zuständigkeit des Oberlandesgerichts Graz zur Entscheidung über die Berufung folgt (Paragraph 285 i, StPO).

Die Kostenentscheidung gründet sich auf Paragraph 390 a, Absatz eins, StPO.

Anmerkung

E93028 15Os177.09g

European Case Law Identifier (ECLI)

ECLI:AT:OGH0002:2010:0150OS00177.09G.0120.000

Zuletzt aktualisiert am

08.03.2010

Dokumentnummer

JJT_20100120_OGH0002_0150OS00177_09G0000_000