Rechtssatz RS0127301
Rechtstracker.at · Quelle: RIS (Bundeskanzleramt)
Rechtssatznummer
RS0127301
Entscheidungsdatum
06.12.2011
Norm
AEUV Lissabon Art267
EWG-RL 79/7/EWG - Gleichbehandlung im Bereich der sozialen Sicherheit 31979L0007 Art4
ASVG idF BGBl I 2003/71 §108h
ASVG idF der 68. ASVG-Novelle BGBl I 2007/101 §634 Abs10
BSVG idF der 33. BSVG-Novelle BGBl I 2007/101 §309 Abs5
Rechtssatz
Die Bestimmung des § 634 Abs 10 ASVG ist insoweit als mit dem Gemeinschaftsrecht unvereinbar zu erachten, als jene Pensionen, deren Höhe die Grenze von 746,99 EUR nicht überschreitet, von der sozial gestaffelten Anpassung ausgeschlossen werden. Solange der österreichische Gesetzgeber nicht in entsprechender Form tätig wird und die bestehende Ungleichbehandlung durch allgemeine oder besondere Maßnahmen beseitigt, hat die Anwendung des § 634 Abs 10 ASVG durch die nationalen Gerichte daher in dem Umfang zu unterbleiben, in dem weiblichen Kleinstpensionsbeziehern die außerordentliche Anpassung ihrer Pensionsleistung verwehrt wird, und es ist auf die betroffene Personengruppe eben jene Regelung anzuwenden, die auch für die Mitglieder der begünstigten Gruppe, das heißt für die Bezieher einer Pension in einer Höhe über 746,99 EUR bis 1.050 EUR gilt. Die Pension dieser Gruppe wurde um einen Fixbetrag von 21 EUR monatlich (entspricht einer prozentuellen Erhöhung von 2,81 % bis 2 %) erhöht.Die Bestimmung des Paragraph 634, Absatz 10, ASVG ist insoweit als mit dem Gemeinschaftsrecht unvereinbar zu erachten, als jene Pensionen, deren Höhe die Grenze von 746,99 EUR nicht überschreitet, von der sozial gestaffelten Anpassung ausgeschlossen werden. Solange der österreichische Gesetzgeber nicht in entsprechender Form tätig wird und die bestehende Ungleichbehandlung durch allgemeine oder besondere Maßnahmen beseitigt, hat die Anwendung des Paragraph 634, Absatz 10, ASVG durch die nationalen Gerichte daher in dem Umfang zu unterbleiben, in dem weiblichen Kleinstpensionsbeziehern die außerordentliche Anpassung ihrer Pensionsleistung verwehrt wird, und es ist auf die betroffene Personengruppe eben jene Regelung anzuwenden, die auch für die Mitglieder der begünstigten Gruppe, das heißt für die Bezieher einer Pension in einer Höhe über 746,99 EUR bis 1.050 EUR gilt. Die Pension dieser Gruppe wurde um einen Fixbetrag von 21 EUR monatlich (entspricht einer prozentuellen Erhöhung von 2,81 % bis 2 %) erhöht.
Entscheidungstexte
- 10 ObS 129/11k
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 129/11k
- 10 ObS 137/11m
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 137/11m
Auch; Beisatz: Nichts anderes kann für Männer gelten, die eine Pension ebenfalls unter 747 EUR monatlich erhalten haben und sich daher in der gleichen Lage wie weibliche Kleinstpensionsbezieherinnen befinden. Auch sie haben aufgrund des Art 4 Abs 1 RL 79/7/EWG Anspruch auf die gleiche Behandlung und auf Anwendung der gleichen Regelung wie Frauen, die sich in der gleichen Lage befinden. Andernfalls käme es zu einer sachlich nicht gerechtfertigten Benachteiligung von männlichen Kleinstpensionsbeziehern, welche auch zu dem allgemeinen Grundsatz, dass die zuständigen Organe, noch bevor der Gesetzgeber tätig wird, für eine gemeinschaftskonforme Auslegung und Anwendung des innerstaatlichen Rechts sorgen müssen, im Widerspruch stünde. (T1)
Veröff: SZ 2011/147
- 10 ObS 139/11f
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 139/11f
Auch; Beis wie T1
- 10 ObS 134/11w
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 134/11w
Auch; Beis wie T1
- 10 ObS 126/11v
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 126/11v
Auch; Beisatz: Hier: § 309 Abs 5 BSVG. (T2)
- 10 ObS 133/11y
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 133/11y
Auch
- 10 ObS 136/11i
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 136/11i
Auch
- 10 ObS 138/11h
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 138/11h
Auch
- 10 ObS 144/11s
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 144/11s
Auch
- 10 ObS 130/11g
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 130/11g
Auch
- 10 ObS 152/11t
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 152/11t
Auch
- 10 ObS 160/11v
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 160/11v
Auch; Beisatz: Hier: § 319 Abs 5 GSVG. (T3)
- 10 ObS 140/11b
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 140/11b
Auch
- 10 ObS 128/11p
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 128/11p
Auch
- 10 ObS 131/11d
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 131/11d
Auch
- 10 ObS 125/11x
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 125/11x
Auch; Beis wie T2
- 10 ObS 127/11s
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 127/11s
Auch
- 10 ObS 135/11t
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 135/11t
Auch; Beis wie T1
- 10 ObS 132/11a
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 132/11a
Auch
- 10 ObS 143/11v
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 143/11v
Auch
- 10 ObS 141/11z
Entscheidungstext OGH 06.12.2011 10 ObS 141/11z
Auch; Beis wie T1
European Case Law Identifier (ECLI)
ECLI:AT:OGH0002:2011:RS0127301
Zuletzt aktualisiert am
15.04.2020
Dokumentnummer
JJR_20111206_OGH0002_010OBS00129_11K0000_001