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Index
64/02 Bundeslehrer, 70/02 Schulorganisation, 70/07 Schule und Kirche
Text
B. WEITERE UNTERRICHTSGEGENSTÄNDE FÜR DEN STUDIENGANG
ZUM LEHRAMT AN VOLKSSCHULEN
1. Pflichtgegenstände
DIDAKTIK
Allgemeine Bildungs- und Lehraufgabe:
Die Didaktik der in der Volksschule vorgesehenen Unterrichtsgegenstände soll zu einer theorieorientierten, selbständigen, eigenverantwortlichen und reflektierten Unterrichtspraxis befähigen. Zur Bewältigung unterrichtlicher Probleme und zum Aufbau eines variabel anwendbaren Grundrepertoires didaktischer Handlungsmöglichkeiten in den jeweiligen Unterrichtsgegenständen sind entsprechende Einsichten der Humanwissenschaften und der didaktischen Forschung aufeinander zu beziehen.
Für die didaktischen Fächer ergeben sich schwerpunktmäßig folgende Aufgabenbereiche:
Erfassen des Bildungssinns und der Bildungsaufgaben des jeweiligen Unterrichtsgegenstandes und begründetes Auswählen sowie Gewichten von Bildungsinhalten an Hand der geltenden Lehrpläne; Sicherung bzw. Vertiefung der für den Unterricht in der Volksschule (inkl. der Vorschulstufe) notwendigen fachlichen Voraussetzungen (Sachwissen, Grundstrukturen und Denkmodelle, Fertigkeiten), auch durch Vergabe von Studienaufträgen; fach- und schülergerechtes Vereinfachen von Unterrichtsinhalten in der Unterrichtspraxis; Erwerb von Handlungskompetenzen zur Gestaltung grundschulgemäßer Lernfelder in schülerzentrierten Unterrichtsformen und bei fächerübergreifenden Vorhaben; Erstellen und Erproben praxisgerechter fachspezifischer Planungskonzepte, auch für wenig gegliederte Schulen; Bewerten, Einsetzen und Herstellen von Medien sowie Analysieren von Lehr- und Arbeitsbüchern; Planen und Gestalten von individualisierendem und differenzierendem Unterricht - auch unter förderpädagogischem Aspekt auf der Grundlage von Lerndiagnosen; Spielen und Lernen im Volksschulunterricht; Bewältigen fachspezifischer Probleme der Leistungsbewertung; Reflexion vorliegender Unterrichtsmodelle und Methodenkonzeptionen für die einzelnen Unterrichtsgegenstände; Wecken der Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit innovativen Veränderungen unter Einbeziehung entsprechender Fachliteratur und Ergebnissen aus der didaktischen Forschung.
VORSCHULSTUFE
Lehrstoff:
Folgende humanwissenschaftliche Inhalte sind durch einschlägige Themenbereiche zu erweitern und auf die Vorschulstufe hin zu orientieren:
Entwicklungspsychologische, lern- und sozialisationstheoretische Konzeptionen und Modelle; Erkenntnisse der Persönlichkeitsforschung; Einsichten in die Bedeutung von Lernprozessen innerhalb und zwischen Fähigkeitsbereichen, wie zB Psychomotorik, Perzeption, Sprache, Kognition, Soziabilität; schichtspezifische Lernanregungen und Lerndefizite; Dimensionen und Problematik der Schulreife (Schulfähigkeit); Sozialisation und Einschulung; Analyse von Einschulungsproblemen (vorwiegend an Fallbeispielen); Möglichkeiten und Instrumentarien der Schülerbeobachtung in verschiedenen Fähigkeitsbereichen als Grundlage für gezielte Fördermaßnahmen.
Folgende grundschuldidaktische Inhalte sind durch einschlägige Themenbereiche zu erweitern und auf die Vorschulstufe hinzupräzisieren:
Lehrplan der Vorschulstufe; die Akzentuierung der Gegenstandsbereiche als verbindliche Übungen, dh. als benotungsfreier, erfolgsgesteuerter Prozeß - konkretisiert als:
Sachbegegnung, Verkehrserziehung, Sprache und Sprechen, Mathematische Früherziehung, Singen und Musizieren, Rhythmisch-musikalische Erziehung, Bildnerisches Gestalten, Werkerziehung, Leibesübungen, Spiel; Lehrverhalten auf der Vorschulstufe: Aufgreifen von Lerngelegenheiten; Arrangieren von Lernsituationen; Organisieren von Lernprozessen.
Orientierung der Lernsituation an folgenden Grundsätzen:
Ausgehen vom individuellen Entwicklungsstand und von der Lerngeschichte des Kindes; Berücksichtigung der Gesamtpersönlichkeit des Kindes; soziales Lernen; erlebnisbetontes und spielorientiertes Lernen; handelndes und anschauliches Lernen; erfahrungsoffenes Lernen; behutsames Ordnen und Sichern von Lernerfahrungen.
Lernorganisation auf der Vorschulstufe:
Rhythmisierung; Wechsel der Lernbereiche; Tagesablauf; Individualisierung und Differenzierung; Ausstattung des Klassenraumes; Fördermaterialien; Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten, den schulischen und außerschulischen Einrichtungen; Hospitieren und Praktizieren in Vorschulklassen bzw. Vorschulgruppen im Rahmen der Schulpraktischen Ausbildung.
ELEMENTARSTUFE
Lehrstoff:
Die Didaktik der Elementarstufe ist unter Bezugnahme auf die übrigen Studienveranstaltungen zur Grundschuldidaktik und auf diesen aufbauend zu führen.
Ziele und Aufgaben des Elementarunterrichts der Grundschule, insbesondere als Übergang vom Elternhaus, vom Kindergarten oder von anderen vorschulischen Einrichtungen in die Schule; als Beginn und Fundament der Schullaufbahn des Kindes; als neuer Sozialisationsabschnitt in der Entwicklung des Kindes und schließlich als Ort der Vermittlung grundlegender Ausdrucks- und Darstellungsmittel unserer Kultur; Elementarunterricht als Bereich besonders sorgfältigen pädagogischen Planens und Handelns.
Sicherung der notwendigen fachlichen Voraussetzungen; psychologische, soziologische, pädagogische (sonderpädagogische) und rechtliche Grundlagen des Schuleintritts; Schulreife, Schulfähigkeit und Schulbereitschaft; das Problem der Rückstellung und Widerrufung der vorzeitigen Aufnahme; Schulfreude und Schulangst; Bedeutung und Möglichkeiten einer engen Zusammenarbeit zwischen Elternhaus, Kindergarten, Vorschulklasse und Elementarstufe; der Elternverein;
das Problem Hausübungen.
Bedeutung und praktische Möglichkeiten der sozialen Integration des Schulanfängers in den Klassenverband und in die Schulgemeinschaft;
die Beziehungen zu Gleichaltrigen und zum Lehrer; Bedeutung des für das Zusammenleben in der Klasse notwendigen und das schulische Lernen entlastenden Ordnungsrahmens, Berücksichtigung der zeitlichen Belastbarkeit der Elementarschüler.
Kindgerechte Auswahl und Organisation der Bildungsinhalte im Elementarunterricht; von den Erfahrungen, Interessen und Bedürfnissen der Kinder ausgehende fachübergreifende Lernanlässe; das Prinzip des Gesamtunterrichtes; Weckung und Förderung der Lernmotivation und der Erfolgszuversicht der Kinder; Mißerfolgserlebnisse und Mißerfolgsangst; Erstdiagnose von Lernbehinderungen, Teilleistungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten; Berücksichtigung der Bewegungs- und Tätigkeitsfreude des Schulanfängers; lernendes Spielen, spielendes Lernen; Freiräume für Selbsterfahrungslernen; Berücksichtigung der unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Lernerfahrungen durch kompensatorische Maßnahmen, insbesondere im Zusammenhang mit den Möglichkeiten des Förderunterrichts; die besondere zeitliche Untergliederung des Unterrichts in Kurzeinheiten; die besondere Einstellung des Schulanfängers zu seiner Leistung und zur Leistungsbeurteilung; Ziffernbenotung und verbale Beurteilung in ihrer Bedeutung für den Schulanfänger und für die Eltern.
Kindgerechte Gestaltung der Lernumwelt; Einrichtung und Ausstattung des Klassenzimmers, Sitzordnung, Turnsaal, Schulhof ua. Unterrichtsplanung: Erarbeiten von Modellen für die Gestaltung der ersten Schultage und Schulwochen; Entwicklung eines Programms für die Gestaltung der ersten Elternversammlung.
Unterrichtsmedien: Herstellen und Anwenden von Lehr- und Lernmaterialien für den Elementarunterricht.
Literaturstudium: Vermittlung der Befähigung zur kritischen Auseinandersetzung mit einschlägiger Fachliteratur und deren selbständiger Anwendung in der Unterrichtspraxis.