Kurztitel
Lehrpläne - Pädagogische Akademie
Kundmachungsorgan
BGBl. Nr. 17/1986 aufgehoben durch BGBl. II Nr. 409/2001Bundesgesetzblatt Nr. 17 aus 1986, aufgehoben durch Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 409 aus 2001,
§/Artikel/AnlageParagraph/Artikel/Anlage
Anl. 1/87Anlage eins /, 87
Index
64/02 Bundeslehrer, 70/02 Schulorganisation, 70/07 Schule und Kirche
Text
EINFÜHRUNG IN DIE KULTURTECHNIKEN
Lehrstoff:
Ziele und Aufgaben des Arbeitsgebietes „Spracherziehung und Einführung in die Kulturtechniken'' in der Sonderschule für schwerstbehinderte Kinder; Überblick über die derzeitigen und künftig zu erwartenden Lebensanforderungen an geistig behinderte Menschen in Österreich in bezug auf Arbeit, Wohnen, Freizeitgestaltung und soziale Integration; das allgemeine Bildungsziel der Sonderschule für schwerstbehinderte Kinder; die Bedeutung des Kommunikationsvermögens für geistig behinderte Kinder und ihre Beeinträchtigung in diesem Bereich als Aufnahme-, Verarbeitungs- und Wiedergabeschwäche; die Wechselwirkung von Sprachbehinderung und geistiger Behinderung; die Zielsetzungen des Lese- und Schreibunterrichts unter funktionell-therapeutischen, sozialen und lebenspraktischen Aspekten; der Rechenunterricht als Förderung im Bereich der Basisausfälle und als Vermittlung von mathematischen Kenntnissen und Fertigkeiten zur Umwelterfassung und Lebensbewältigung.
Sicherung der für den Unterricht in der Sonderschule für schwerstbehinderte Kinder notwendigen professionellen Voraussetzungen: Weckung der Bereitschaft der Studierenden, die geistig behinderten Schüler als Sozialpartner im Schulalltag anzunehmen; einfaches, deutliches Sprechen; normgerechte, leicht lesbare Tafelschrift; sachgerechte Bedienung audio-visueller Medien; Erkennen der Individuallagen, der Begabungsschwerpunkte, der Störungen und Ausfälle auf den verschiedenen Entwicklungsstufen und in den verschiedenen Lernbereichen.
Didaktik der Lernbereiche:
Spracherziehung: Sprachanbahnung und Sprachaufbau bei geistig behinderten Kindern; vorsprachliche Hilfen: vorsprachlicher Kontakt, Stärkung der Motorik, Rhythmus und Melodie, allgemeine Sinnesschulung, vorsprachliche Artikulationshilfen; Spracheintrittshilfen: Ruf- und Reaktionsübungen, Lautnachahmung, Anbahnung von Situationsverständnis, Benennungsübungen; Hilfen zur Aussageerweiterung: Benennungserweiterung, zweigliedrige Aussagen, dreigliedrige Aussagen, Versprachlichung von Abläufen; Üben der Fähigkeit, lebensnahe, Ausdruck und Sprache provozierende Unterrichtssituationen zu schaffen; Förderung der nonverbalen Ausdrucks- und Verständnismöglichkeiten; Möglichkeiten der ständigen Aktivierung der Sprachantriebe im Rahmen des Gesamtunterrichts; Bedeutung von Spiel und Rhythmik.
Lesen: Bilderlesen, Symbollesen (zB Ampel), Signalwortlesen (zB WC, Ausgang, Name), Ganzwortlesen, Erlesen einzelner Worte, einfacher Sätze und kurzer Texte als didaktische Schritte und mögliche Endziele; therapeutische und funktionelle Übungen zur Erreichung der Lesereife und Unterstützung des Leselernprozesses; Theorie und Praxis des Lesenlernens: die häufigsten didaktischen Probleme beim Leseunterricht für schwerstbehinderte Kinder; Entwicklung und Anwendung entsprechender Methoden und Medien zu ihrer Bewältigung; Notwendigkeit und Möglichkeiten weitgehender klasseninterner Differenzierung; Maßnahmen zur Weckung und Erhaltung der Lesemotivation.
Medienerziehung: Zielsetzungen für den lebenspraktischen, sozialen und persönlichkeitsbildenden Bereich, insbesondere für die Freizeitgestaltung. Erziehung zu sinnvollem Umgang mit audio-visuellen Medien; Möglichkeiten zur aktiven Auseinandersetzung mit Medien; Anleitungen und Übungsformen zum sachgerechten Umgang mit Medien.
Schreiben: Therapeutische und funktionelle Übungen zum Schaffen der nötigen Entwicklungsvoraussetzungen; die Wahl der Schrift, geeignetes Schreibmaterial; Theorie und Praxis des Schreibenlernens; inhaltliche Vorschläge unter lebenspraktischem Aspekt (zB Unterschrift, Telefonnummer, einfache Mitteilungen).
Mathematisches Denken: Entwicklungsfördernde Übungen im Bereich des vorbegrifflichen und des anschaulichen Denkens; Hinführen zum konkreten operativen Denken; behinderungsgemäße Verfahren zum handelnden Umgang mit Mengen und Raumformen (Relationen, Richtungen, Raumlagebeziehungen, einfachste geometrische Formen) und zum Untersuchen, Ordnen und Sichern der Grunderfahrungen über Mengen und Raum; Erwerb mathematischer Fertigkeiten unter dem Gesichtspunkt lebenspraktischer Nützlichkeit; Einbau mathematischen Denkens in Spiel, Schulalltag und Gesamtunterricht.
Weitere fach- und behinderungsspezifische Unterrichtsverfahren: Die didaktischen Grundsätze des Lehrplans; Bedeutung und Möglichkeiten des Spiels; Aufgreifen von Lerngelegenheiten des Schulalltags; Gestaltung des Klassenraums und der Klassenatmosphäre; das Prinzip der kleinen Schritte, der ständigen Wiederholung und Vertiefung; das Prinzip des aktiven Lernens; Stärkung des Vertrauens des Kindes in seine eigene Handlungs-, Sprach- und Gestaltungsfähigkeit; Verhinderung von Lernblockierungen; Einbeziehung der Eltern in den Lernprozeß; die unterrichtliche Auseinandersetzung als Feld für Erziehung; Schaffung und Erhaltung des Ordnungsrahmens; Maßnahmen zur Internalisierung von Werten und Normen.
Unterrichtsplanung: Praxisgerechte Formen der Unterrichtsplanung und -analyse mit besonderer Berücksichtigung des Prinzips des Gesamtunterrichts; Erstellen von individuellen Förderprogrammen;
Erarbeiten von Unterrichtseinheiten mit gruppenspezifischen Aufgabenstellungen; mittel- und langfristige Planung mit besonderer Berücksichtigung von individueller und gruppenspezifischer Planung;
Gewichtung der Teilbereiche auf den einzelnen Lehrplanstufen;
Projektunterricht; Gestaltung von Förderstunden; Möglichkeiten der Lernzielkontrolle; der „subjektive'' Leistungsmaßstab;
Klassenbucheintragung, Schreiben von Zeugnissen und pädagogischen Gutachten.
Unterrichtsmedien und -materialien: Analyse, Beurteilung, Auswahl und Herstellung von geeigneten Lehr- und Lernmaterialien und ihre gezielte Anwendung.
Literaturverarbeitung: Befähigung zur kritischen Auseinandersetzung mit einschlägiger Fachliteratur und deren selbständiger Anwendung in der Unterrichtspraxis.