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INSTRUMENTALMUSIKERZIEHUNG
Bildungs- und Lehraufgabe:
Unter Berücksichtigung der besonderen psycho-physischen Disposition der Schüler in Sonderschulen sollen Kenntnisse und Fertigkeiten im Instrumentalspiel erworben werden, die den künftigen Lehrer befähigen, ein Instrument im Unterricht in der richtigen Weise einzusetzen, um das Singen und Musizieren zu bereichern und das Interesse für das Instrumentalspiel und für das Musikhören zu wecken und zu fördern, insbesondere in jenen Teilbereichen der Musikerziehung der Sonderschule, die der unmittelbaren Darbietung auf einem Instrument bedürfen. Darüber hinaus soll die Vermittlung von Improvisationsmodellen die heilpädagogische Komponente des Schülermusizierens (non-verbaler Kommunikationsbereich) stützen und fördern; Anwendung und Vertiefung der in den Unterrichtsveranstaltungen aus Musikerziehung erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten; dabei sind kompensatorische, kommunikative, sozial- und sonderpädagogische Zielsetzungen bewußtzumachen und zu veranschaulichen.
Didaktische Grundsätze:
Der Gruppenunterricht ist so zu planen und durchzuführen, daß alle Teilnehmer durch verschiedenartige Aufgabenstellungen aktiv am Unterricht teilnehmen (Singen, Musizieren, Hör- und Beobachtungsaufgaben). Von Anfang an sind geeignete Gestaltungs- und Erfindungsaufgaben einzubauen. In den Ausbildungsprozeß sind instrumentaltechnische Fertigkeiten, das Erlernen verschiedenartiger Notationen, die allgemeine Musiklehre, notenfreies Singen und Musizieren sowie Gehörbildung zu integrieren. Die Lernprozesse im Gruppenunterricht sind so zu planen und zu gestalten, daß dabei jene Fähigkeiten und Einstellungen bewußtgemacht werden, die für die Musikerziehung in der Allgemeinen Sonderschule und der Sonderschule für schwerstbehinderte Kinder von besonderer Bedeutung sind:
Wahrnehmungsvermögen, Reaktionsvermögen, Konzentrationsfähigkeit (Gedächtnisschulung), Motorik (Koordination auditiver, motorischer und haptischer Aktionen), Ausdrucks- und Erlebnisfähigkeit, Emotionalität, Transfereffekte des Musiklernens bei verschiedenen Behinderungen, Aufbau einer Arbeitshaltung. Für das selbständige Musizieren sind verschiedene Methoden des Übens und der Selbstkontrolle zu erarbeiten. Der praxisorientierte Einsatz des Instrumentes in der Musikerziehung der Sonderschule steht im Vordergrund des Unterrichts.
Lehrstoff:
Die instrumentaltechnische Unterweisung soll von den jeweiligen Vorkenntnissen ausgehen, aber schon im elementaren Bereich zur Bewältigung folgender Lehraufgaben führen:
Technische Übungen in verschiedenen diatonischen Bereichen (auch rhythmisch differenziert); instrumentalspezifische Notationen; Artikulationsübungen (musikalischer Vortrag, stilistische Gestaltung); Anwendung der einfachen und erweiterten Kadenz bei der Liedbegleitung; Lieder in zunehmendem Schwierigkeitsgrad aus approbierten Lehrbüchern (auch notenfrei) mit einfachem Vorspiel (zB die letzten Takte) und mit freiem Vorspiel (zB motivisch, imitatorisch); freie und gebundene Erfindungs- und Gestaltungsübungen; Transponieren einfacher Lieder; Vortragsstücke aus verschiedenen Epochen (Auswahl nach didaktisch-methodischer Brauchbarkeit im Sinne der Hörerziehung in der Sonderschule); Möglichkeiten des Einsatzes elementarer Spieltechniken im Lernbereich Musizieren und beim Ensemblespiel in Spielmusikgruppen; Übertragung von modellhaften Begleitformen auf ORFF-Instrumente; spezifische Einsatzmöglichkeiten des Instrumentes im Dienste der rhythmischen Erziehung zur Ingangsetzung und Unterstützung von Bewegungs- und Handlungsabläufen. Bei der Erfüllung dieser Lehraufgaben sind die didaktischen Möglichkeiten nach spezifischer Eigenart des jeweiligen Instrumentes zu erschließen. Diese Unterschiede sind in der Planung der Studienabschnitte so zu berücksichtigen, daß als Ausbildungsziel gleichwertige Anforderungen im Schwierigkeitsgrad gestellt werden. Die folgenden Detailpläne verstehen sich als Basispläne für Anfänger. Bei Vorkenntnissen sind entsprechend höhere Anforderungen zu stellen. Es können auch andere als die angeführten Instrumente angeboten werden, sofern die Lehrplananforderungen des Instrumentalunterrichts gemäß den hier angeführten didaktischen Grundsätzen zu erfüllen sind.
AKKORDEON:
Balgführung, Spiel im Diskant- und Baßteil; technische Übungen in verschiedenen Bereichen unter Berücksichtigung einfacher Harmonik und Rhythmik; Anwendung der einfachen Kadenz; grundlegende Artikulations- und Phrasierungsübungen; pentatonische Lieder; Moll-Lieder; Lieder basierend auf der einfachen Kadenz (auch notenfrei); Liedspiel, Liedbegleitung; Vorspiel; Vortragsstücke (auch unter Berücksichtigung von Originalliteratur); Realisierung graphischer Notationen.
Fortsetzung der technischen Ausbildung im Baß- und Diskantteil;
Artikulationsübungen unter besonderer Berücksichtigung der Balgführung; Anwendung der erweiterten Kadenz bei Liedbegleitung;
Nebenstufenlieder und kirchentonale Lieder (auch notenfrei);
Liedspiel; Liedbegleitung; Vorspiele; Transpositionsübungen;
Vortragsstücke; freie Erfindungs- und Gestaltungsübungen (pentatonisch, modal, freitonal); für die Unterrichtspraxis methodisch aufbereitetes Zusammenspiel geeigneter Instrumente (zB ORFF-Instrumente).
Steigerung des Schwierigkeitsgrades bei technischen Übungen (Diskant- und Baßteil); einfache Formen polyphonen Spiels (Melodiebaß); gesteigerte Anforderungen bei Transpositionsübungen; freie Vorspiele, Liedspiel, Liedbegleitung in gesteigertem Schwierigkeitsgrad; weitere Vortragsstücke (auch unter Berücksichtigung von Originalliteratur); Variieren einfacher Melodien (Wechsel des Tongeschlechtes, der Taktart, Ausschmückung der Melodie durch harmoniefremde Töne, Melodie im Baß).
BLOCKFLÖTE:
Einführung in das Spiel auf der Altblockflöte; Körperhaltung, Atemführung und Tongebung; Übungen in den verschiedenen Artikulationsarten; Übungen zur Grifftechnik und Fingerfertigkeit über eineinhalb Oktaven; Anwendung des Erlernten bei Liedspiel und leichter Spielliteratur; Zerlegung der Kadenzdreiklänge; chorische Notation; Realisierung graphischer Notationen.
Einführung in das Spiel auf der Sopranblockflöte; Griffverbindungen der chromatischen Reihe; Erweiterung des Tonraumes; gesteigerte Anforderungen im technischen Bereich; rhythmisch differenzierte erweiterte Kadenz (auch mit Dominantseptakkord); Anwendung der erweiterten Kadenz bei der Liedbegleitung; Liedspiel (auch notenfrei); motivische Vorspiele; Vortragsstücke (Zusammenspiel von Alt- und Sopranblockflöte); freie Erfindungs- und Gestaltungsübungen (pentatonisch, modal, freitonal); für die Unterrichtspraxis methodisch aufbereitetes Zusammenspiel geeigneter Instrumente (zB ORFF-Instrumente).
Festigung und Erweiterung der Spieltechnik auf der Alt- und Sopranblockflöte; chromatische Reihe über zwei Oktaven; Transpositionsübungen; Kadenzen bis zu den Tonarten mit drei Vorzeichen; Vortragsstücke (Triospiel, Zusammenspiel mit anderen Instrumenten); Variieren einfacher Melodien (Wechsel des Tongeschlechtes, der Taktart, Ausschmückung der Melodie durch harmoniefremde Töne).
GITARRE:
Chromatisches Spiel, diatonisches Melodiespiel im Fünftonraum in verschiedenen Lagen; zweistimmiger Anschlag, zuerst mit leeren und dann mit gegriffenen Baßsaiten; dreistimmiger und vierstimmiger Anschlag; Kadenzen in C-, G-, D-, A-, E-Dur (Grundtonarten);
Liedbegleitung (pentatonische Lieder; Lieder basierend auf der einfachen Kadenz (Moll-Lieder - auch notenfrei - zum eigenen Gesang);
Vorspiele; einfache Vortragsstücke; Realisierung graphischer Notationen.
Gesteigerte Anforderungen im spieltechnischen Bereich (auch Barregriffe); mehrstimmige erweiterte Kadenzen; Nebenstufenlieder und modale Lieder (auch notenfrei); weitere Anschlagsformen und Zerlegungsarten; Gestaltung motivischer Vor-, Zwischen- und Nachspiele; Transpositionsübungen; Vortragsstücke; selbständiges Stimmen des Instrumentes; freie Erfindungs- und Gestaltungsübungen (pentatonisch, modal, freitonal); für die Unterrichtspraxis methodisch aufbereitetes Zusammenspiel geeigneter Instrumente (zB ORFF-Instrumente).
Festigung und Vertiefung der Spieltechnik zur Sicherung gesteigerter Geläufigkeit; Barregriffe und ihre Anwendung bei der Liedbegleitung - auch notenfrei - unter Beachtung stilistischer Vielfalt (auch modale Lieder); Anschlagsformen und Zerlegungsarten in gesteigertem Schwierigkeitsgrad (zB verschiedene lateinamerikanische Rhythmen); Fingerpicking; weitere Transpositionsübungen (auch mit Verwendung des Kapodasters); Vortragsstücke mit gesteigerten Anforderungen; Variieren einfacher Melodien (Wechsel des Tongeschlechtes, der Taktart, Ausschmückung der Melodie durch harmoniefremde Töne).
KLAVIER, ORGEL:
Entwicklung elementarer Spieltechnik (Unabhängigkeit der Hände, gleichzeitiges Lesen verschiedener Notenschlüssel, Spiel im Fünftonraum, dessen Erweiterung durch Über- und Untersetzen, auch rhythmisch differenziert); einfache Artikulationsübungen; akkordische Anschlagübungen mit beiden Händen; Fingerübungen in progressivem Schwierigkeitsgrad; Liedspiel, Liedbegleitung (pentatonische Lieder), V-I- und IV-V-I-Lieder, Moll-Lieder (auch notenfrei, zu eigenem Gesang); Vorspiele; einfache Vortragsstücke; Realisierung graphischer Notationen.
ORGEL:
Zusätzlich Pedalspiel und Einführung in die Technik des Registrierens.
Gesteigerte Anforderungen im spieltechnischen Bereich;
weiterführende Artikulations- und Geläufigkeitsübungen; Anwendung der erweiterten Kadenz bei der Liedbegleitung; Nebenstufenlieder und modale Lieder - auch notenfrei; Gestaltung motivischer Vorspiele;
einfache Transpositionsübungen; Vortragsstücke; freie Erfindungs- und Gestaltungsübungen (kadenzgebunden, pentatonisch, modal, freitonal);
für die Unterrichtspraxis methodisch aufbereitetes Zusammenspiel geeigneter Instrumente (zB ORFF-Instrumente).
Technische Übungen höheren Schwierigkeitsgrades; Erstellen einer Begleitstimme nach melodischen Gesichtspunkten; Liedspiel (auch vollgriffiges Spiel); Liedbegleitung in gesteigertem Schwierigkeitsgrad (mit harmoniefremden Tönen); Vortragsstücke mit gesteigerten Anforderungen; kadenzgebundene Erfindungs- und Gestaltungsübungen; Variieren einfacher Melodien (Wechsel des Tongeschlechtes, der Taktart, Ausschmückung der Melodie durch harmoniefremde Töne); für die Unterrichtspraxis methodisch aufbereitetes Zusammenspiel geeigneter Instrumente (zB ORFF-Instrumente).
ORGEL:
Steigerung der Pedaltechnik.
VIOLINE:
Die unterschiedlichen Griffstellungen der Finger in der ersten Lage; Übungen zur Sicherung der richtigen Intonation; einfache Stricharten, Glissando; Dur- und Molltonleitern; Dreiklangszerlegung;
Etüden in leichtem Schwierigkeitsgrad; Artikulationsübungen;
pentatonische Lieder; Lieder basierend auf der einfachen Kadenz - auch notenfrei; Liedbegleitung; Vorspiele; Vortragsstücke;
Realisierung graphischer Notationen.
Gesteigerte griff- und bogentechnische Anforderungen beim Spiel in der ersten Lage; Dur- und Molltonleitern; Dreiklangszerlegungen, Dominantseptakkorde, auch rhythmisch differenzierbar; Etüden in progressivem Schwierigkeitsgrad; der Fingerstrich, der mit Druck gezogene Strich; einfache Artikulationsübungen; Anwendung der erweiterten Kadenz bei der Liedbegleitung; Moll-Lieder, Nebenstufenlieder - auch notenfrei; Liedspiel, Liedbegleitung; freie Vorspiele; Vortragsstücke; freie Erfindungs- und Gestaltungsübungen (pentatonisch, modal, freitonal).
Festigung des Spiels in der ersten Lage bei gesteigertem Tempo; Dur- und Molltonleitern; Dreiklangszerlegung; Dominantseptakkorde, auch rhythmisch differenziert; weitere technische Übungen in Verbindung mit anspruchsvollerer Bogentechnik; Lagenwechsel; Vibrato, weitere Artikulationsübungen; Anwendung der erweiterten Kadenz bei der Liedbegleitung mit gesteigerten Anforderungen; Transponieren von Liedern; anspruchsvollere Begleitung, auch Erstellen einer Begleitstimme nach melodischen Gesichtspunkten; weitere Vortragsstücke in gesteigertem Schwierigkeitsgrad; Variieren einfacher Melodien (Wechsel des Tongeschlechtes, der Taktart; Ausschmückung der Melodie durch harmoniefremde Töne).