Rechtstracker.at

Anl. 1/35

Fassungen
09.09.1985 bis 27.11.2001 — BGBl. Nr. 17/1986 (Stammfassung)
InkrafttretenAußerkrafttretenKundmachung
Anl. 1/3509.09.198527.11.2001 BGBl. Nr. 17/1986 (Stammfassung) · aufgehoben durch BGBl. II Nr. 409/2001

Rechtstracker.at · Quelle: RIS (Bundeskanzleramt)

Diese Fassung ist nicht aktuell

Kurztitel

Lehrpläne - Pädagogische Akademie

Kundmachungsorgan

Bundesgesetzblatt Nr. 17 aus 1986, aufgehoben durch Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 409 aus 2001,

Typ

V

Paragraph/Artikel/Anlage

Anlage eins /, 35

Inkrafttretensdatum

09.09.1985BGBl. Nr. 17/1986

Außerkrafttretensdatum

27.11.2001aufgehoben durch BGBl. II Nr. 409/2001

Index

64/02 Bundeslehrer, 70/02 Schulorganisation, 70/07 Schule und Kirche

Text

SLOWENISCH

Bildungs- und Lehraufgabe:

Die Ausbildung des zweisprachigen Lehrers und des Slowenischlehrers für Pflichtschulen hat zu sichern:

Im sprachwissenschaftlichen Bereich:

Sichere Beherrschung der Sprache in Wort und Schrift; Flüssigkeit des Ausdrucks, Korrektheit in idiomatischer, phonetischer und grammatischer Hinsicht, Kenntnis der Laut-, Wort-, Formen- und Satzlehre.

Überblick über die Eigenarten und die Entwicklung der slowenischen Sprache unter Einbeziehung des Dialekts.

Einsicht in die sozialen und funktionalen Aspekte der gesprochenen und geschriebenen Sprache.

Eine kontrastive Betrachtungsweise zwischen dem Slowenischen und Deutschen soll zu Einblicken in Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Sprachstrukturen befähigen.

Im literaturwissenschaftlichen Bereich:

Kenntnis des Schrifttums, vor allem der Kinder- und Jugendliteratur des slowenischen Volkes unter besonderer Beachtung des literarischen Schaffens der slowenischen Volksgruppe in Kärnten.

Landeskunde und Geschichte der Slowenen mit Einblick in die geographisch-wirtschaftlichen Gegebenheiten, in die Gesellschaftsstruktur und das Kulturleben im slowenischen Sprachraum.

Lehrstoff:

Aus dem sprachwissenschaftlichen Bereich:

Mündliche Sprachgestaltung: Mundartliche und gemeinsprachliche (schriftsprachliche) Formen. Gemeinslowenische Aspekte der Sprachentwicklung, die slowenischen Dialekte, das Slowenisch des Mittelalters, die gepflegte Umgangssprache und die Hochsprache.

Betonung und Satzmelodie. Festigen, Erweitern und Anwenden des Wortschatzes, korrekte Aussprache, Technik des Sprechens, rhetorische Praktiken, Redeübungen, Referate und Diskussionen.

Schriftliche Sprachgestaltung: Subjektive, objektive und appellative Darstellungsformen. Verfassen von Texten und Stilübungen. Aufsatzkorrekturen. Orthographie und Interpunktion. Künstlerische Sprachgestaltung. Formen der Sprachgestaltung. Kennenlernen und Lesen alter Texte (Sprachdenkmäler mit Bezug auf die Gegenwartssprache - Sprache als Organismus). Einführung in die Technik fachwissenschaftlichen Arbeitens. Lektüre fachsprachlicher Texte aus verschiedenen Bereichen und deren Anwendung bei eigener schriftlicher Sprachgestaltung.

Gegenwartssprache: Die Entwicklung der slowenischen Schriftsprache. Das Slowenische im Kreis der slawischen und indoeuropäischen Sprachfamilie. Erweiterung und Vertiefung des Wortschatzes durch Lektüre. Statistische Betrachtungen und Erkenntnisse an Hand der Lektüre und der Analyse von Texten. Inhalte, Formen und Strukturen im Bereich der Laut-, Wort-, Formen- und Satzlehre. Wortbildungslehre. Wortschatz, Grammatik und sprachlicher Formulierungsprozeß. Die Sprache als komplexe Einheit und Mittel der Kommunikation. Übersetzungsübungen verschiedener Schwierigkeitsgrade.

Die befruchtende Funktion der Auseinandersetzung mit der Sprache der Nachbarn. Vom Gefühlswert der Sprache. Probleme der Soziolinguistik. Einblick in das Wesen sprachlicher Veränderung, Mundart, Namenskunde.

Aus dem literaturwissenschaftlichen und kulturellen Bereich:

Lyrische und epische Volksdichtung, Märchen, Epen. Die ältesten Sprachdenkmäler. Das slowenische protestantische Schrifttum und die Anfänge der slowenischen Literatursprache. Die Entwicklung des slowenischen Schrifttums vom Barock bis zur Romantik. Preserens Beitrag zur Weltliteratur. Das literarische Schaffen der Slowenen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die literarischen Zeitschriften bei den Slowenen. Die slowenische Moderne. Die slowenische Literatur seit dem 1. Weltkrieg. Alle literarischen Epochen sind unter besonderer Berücksichtigung des literarischen Schaffens der Kärntner Slowenen zu behandeln.

Gemeinsame Motive in der slowenischen und deutsch-österreichischen Literatur sowie der Literatur der deutsch- und slowenischsprachigen Kärntner; motivgeschichtliche Querschnitte; vergleichende Literaturbetrachtung.

Die slowenische Kinder- und Jugendliteratur und ihr Einsatz im Unterricht. Bedeutende Kinder- und Jugendschriftsteller.

Verstehen und kritische Analyse von Texten der Alltags- bzw. Gebrauchsliteratur: zB Zeitungen, Zeitschriften (Comics), Werbetexte, Gebrauchsanweisungen ua. Fähigkeit, sich selbständig mit Literatur und ihren Formen, Ideen, Strömungen und Werten auseinanderzusetzen.

Vermittlung von Kriterien zur Beurteilung, Interpretation und Auslegung von Texten und Angeboten visueller Kommunikation.

Die wichtigsten Fakten aus dem Kulturleben der Slowenen mit Berücksichtigung der slowenischen Volksgruppe in Kärnten:

Einwanderung der Slowenen in die neue Heimat, die gesellschaftliche, materielle und geistige Kultur vor und nach der Christianisierung, die Entwicklung der rechtlich-kulturellen Verhältnisse zwischen beiden Volksgruppen in Kärnten, die Namenskunde und der Prozeß der Assimilation der Alpenslawen sowie das deutsch-slowenische Zusammenleben unter Darlegung der frühen Verflechtungen mit Österreich. Einblick in das historische Geschehen an exemplarischen Beispielen.

Sprachvielfalt als Bereicherung; Hervorheben von Gemeinsamkeiten.

Die Vermittlung der Landeskunde soll sowohl geographisch erfolgen als auch wirtschaftlich-soziale Aspekte beinhalten und von Kärnten ausgehend den Siedlungsraum der Slowenen in Jugoslawien und Italien erfassen.

FACHDIDAKTIK SLOWENISCH

Bildungs- und Lehraufgabe:

Die Ausbildung des Slowenischlehrers hat zu sichern: Eine sichere Beherrschung der slowenischen Sprache zwecks Befähigung zur Erteilung des Unterrichts in slowenischer Unterrichtssprache an Vorschulstufen, an den ersten drei Schulstufen an Volksschulen, im Rahmen des Gegenstandes Slowenisch ab der vierten Volksschulstufe, an Sonderschulen, Hauptschulen und Polytechnischen Lehrgängen.

Die Fachdidaktik Slowenisch soll die Studierenden der Pädagogischen Akademie befähigen, die Lehrinhalte des Fachgegenstandes im Slowenischunterricht und im zweisprachigen Unterricht in den Pflichtschulen umzusetzen.

Einblick in das Minderheitenschulwesen in Kärnten, historische Entwicklung, rechtliche Grundlagen: Einführung in das Wesen der zweisprachigen Erziehung mit der Aufgabe, die Schüler in deutscher und slowenischer Sprache auszubilden und sie mit den kulturellen Werten des Mehrheitsvolkes und der slowenischen Volksgruppe vertraut zu machen, damit sie befähigt werden, unter Beachtung ihrer Eigenart am Wirtschafts- und Kulturleben Österreichs Anteil zu nehmen.

Lehrstoff:

Psychologische und gruppendynamische Prozesse im Zusammenleben der Volksgruppen; ihre Berücksichtigung in Erziehung und Unterricht.

Einblicke in das Minderheiten-Schulwesen in Kärnten, historische Entwicklung, rechtliche Grundlagen. Die staats- und kulturpolitische Bedeutung des Minderheitenschulwesens.

Kenntnis der einschlägigen Lehrpläne. Unterrichtsplanung, Unterrichtsvorbereitung und Stoffsammlung. Differenzierungsmaßnahmen und ihre methodisch-didaktische Handhabung; abgestuftes Angebot; Selbsttätigkeit, Mitarbeit in der Gemeinschaft, Führung der Schüler zu den ihren Anlagen entsprechenden besten Leistungen. Didaktik des Förderunterrichts. Kennenlernen und Einüben verschiedener Sozialformen des Lernens im zweisprachigen Unterricht und im Slowenischunterricht. Ausbildung der Fähigkeiten des individuellen und kommunikativen Sprechens und Schreibens. Schulung in den Methoden des kritischen Verstehens mündlicher und schriftlicher Äußerungen. Übungen in Verfassen von Texten, Textgestaltung, Rechtschreiben und richtiger Aussprache. Lesen als Sinnentnahme aus Texten und Textbetrachtung; Lesetechniken, Lesestoff und Medienkunde. Das Buch und seine Verwendung im Unterricht; Befähigung und Motivation zum außerschulischen Lesen und Lernen. Berücksichtigung der sprachlichen Interferenzen zwischen der deutschen und slowenischen Mundart und Hochsprache im Unterricht, auch in bezug auf Lautlehre und Rechtschreibung. Der Aufbau des Lehrstoffes für den elementaren und weiterführenden Unterricht in slowenischer Sprache gemäß den jeweils geltenden Lehrplänen ist sachstrukturell und methodisch für die einzelnen Klassen bzw. Leistungsgruppen zu erschließen. Sicherung des Unterrichtsertrages als Grundlage weiterer Bildung. Beurteilung mündlicher und schriftlicher Schülerleistungen im zweisprachigen Unterricht und im Slowenischunterricht. Erarbeitung und Analyse von Lehr-, Lern- und Arbeitsmitteln und ihre Verwendung im Unterricht; Einsatz der audio-visuellen Medien. Aufbau und Instandhaltung einer Lehr- und Arbeitsmittelsammlung. Einbeziehung außerschulischer Kultur- und Bildungseinrichtungen in den Ausbildungsprozeß; Arbeit mit Laienspiel-, Sing- und Musiziergruppen, Besuch von Darbietungen solcher Gruppen und Ausstellungen.

Exkursionen: Kennenlernen des zweisprachigen Gebietes als Siedlungs- und Kulturraum deutsch-slowenischer Begegnung. Vertiefung der individuellen Fähigkeiten des Sprechens und des Schreibens in der slowenischen Sprache durch ihre konsequente Verwendung bei Lehrveranstaltungen und Übungen. Fragen der Motivation, die bei einer zusätzlichen Belastung des Schülers (Erlernen einer zweiten Sprache, mehr Unterrichtsstunden ua.) erforderlich ist.

Schwerpunkte für die Ausbildung zum Volksschullehrer bzw. Sonderschullehrer:

Zweisprachige Erziehung im vorschulischen Bereich: Familie, Kindergarten, Vorschulstufe; zweisprachiger Unterricht und einsprachiger Unterricht; Verwendung der slowenischen Sprache im zweisprachigen Unterricht; Beherrschung von Fachausdrücken und der jeweiligen Fachsprache im Sachunterricht, im Lesen und Schreiben, in der Mathematik, der Musikerziehung, Bildnerischen Erziehung, Werkerziehung und in Leibesübungen; die unterschiedlichen Behinderungen und ihre möglichen Auswirkungen auf den zweisprachigen Unterricht.

Schwerpunkte für die Ausbildung zum Lehrer an Hauptschulen bzw. Polytechnischen Lehrgängen:

Exemplarisch ausgewählter fachübergreifender und projektorientierter Unterricht; Erarbeitung methodischer Modelle in slowenischer Sprache für Bildungsziele etwa des geschichtlich-sozialkundlichen, geographisch-wirtschaftskundlichen, mathematisch-naturkundlich-technischen sowie des musischen und sportlichen Bereiches; die Vorteile der Zweisprachigkeit bzw. Mehrsprachigkeit für die Berufsvorbereitung und die Berufswahl.

Schulpraxis Slowenisch:

Vorführen von Unterrichtsstunden mit unterschiedlichen Schwerpunkten im Hinblick auf Lehrformen, Sozialformen, Methodenkonzeptionen und verschiedene Formen der Differenzierung und Förderung; Vorbereitung, Planung, Durchführung und Analyse von zweisprachigem Unterricht und Slowenischunterricht; pädagogisch-didaktische Studien über Eigenerfahrungen der Praktikanten, über das Sozialverhalten der zum zweisprachigen Unterricht bzw. Slowenischunterricht angemeldeten und nicht angemeldeten Schüler sowie Erforschung der Lernfreude oder Abneigung; Untersuchung und Bewältigung von Konflikten im Unterricht und durch Erziehung; soziales Lernen und Gruppenpädagogik; Einführung in die Alltagssituation der Schule, in die Führung der Amtsschriften und in Umgangsformen mit Vorgesetzten, Eltern und Erziehungsberechtigten; Einbeziehung der Eltern im Sinne der Schulpartnerschaft und Öffnung der Schule.

Gesetzesnummer

10008602

Dokumentnummer

NOR12102353

Alte Dokumentnummer

N6198616731S