Text
WERKERZIEHUNG
Lehrstoff:
Ziele und Aufgaben der Werkerziehung in der Allgemeinen Sonderschule und in der Sonderschule für schwerstbehinderte Kinder; Erfassung und Vollzug werkspezifischer Abläufe in bezug auf Arbeitshaltungen wie Ordnung, Genauigkeit und Ausdauer; sachgemäßer Umgang mit Werkstoffen; zweckmäßiger Einsatz von Werkzeug, Geräten und Maschinen; Berücksichtigung sozialer, funktionaler, wirtschaftlicher, produktionsbedingter, ökologischer und ästhetischer Aspekte; Sicherung der für den Unterricht in der Allgemeinen Sonderschule und der Sonderschule für schwerstbehinderte Kinder notwendigen fachlichen Voraussetzungen in den Teilbereichen der Werkerziehung.
Technischer Bereich
Bereich Bauen - Wohnen:
Elementare Kenntnisse aus der Statik (Standsicherheit, Gleichgewicht, Zug- und Druckbelastung); Einsichten in statische Konstruktionsprinzipien (Massivbau, Skelettbau-Gerüstbau);
Grundkenntnisse über Baustoffe und Bausysteme;
architektonisch-räumliche Ordnungen kennenlernen; beurteilen und selbständig-verantwortlich planen können (Raumerlebnis, Raumorganisation, Raumdimensionierung, Raumordnung, Raumnutzung, Raumgestaltung, Wohnformen); Nutzungskriterien kennen und anwenden lernen (Nutz-, Wohn-, Standort- und Sozialwert); Kenntnisse über bestimmende Faktoren und Probleme der gebauten Umwelt im städtischen und ländlichen Raum (zB Verkehrsplanung, Ver- und Entsorgung, Verbauungsformen).
Bereich Maschinentechnik:
Einsichten in elementare Bereiche der Mechanik (Heben und Fördern, Fahren und Lenken, Schwimmen und Fliegen); Kenntnisse der Grundfunktionen und Wirkungsweisen von Maschinenteilen (Lager, Achse, Welle, Rad, Übersetzungen); Maschinen zum Weiterleiten und Umformen von Bewegungen und Energien (Antriebssysteme, Energiemaschinen).
Bereich Produktgestaltung, Ästhetik und Design, Verbrauchererziehung:
Einblicke in den Designprozeß; Durchschauen der gegenseitigen Abhängigkeit von Verwendungszweck, Form, Werkstoff und Oberflächengestaltung; Finden von Beurteilungskriterien für Produkte aus der Sicht des Benützers (praktische Produktqualität), des Betrachters (ästhetische Produktqualität) und des Besitzers (soziale Produktqualität) durch Produktanalyse auch unter dem Gesichtspunkt ökologischer Verantwortung; Konsumentenerziehung im Hinblick auf Kosten-Nutzen-Analysen und auf die Bewußtmachung von Motiven der Kaufentscheidung; unterschiedliche Herstellungsverfahren und deren Auswirkung auf die Produktgestaltung kennenlernen (handwerklich, industriell).
Fachpraktische Inhalte, anwendungsbezogen auf die Bereiche Bauen-Wohnen, Maschinentechnik, Produktgestaltung, Ästhetik und Design, Verbrauchererziehung:
Technologische Grundverfahren unter technisch-ökonomischen Aspekten kennenlernen und sachgerecht anwenden (Urformen, Umformen, Trennen, Fügen, Beschichten, Stoffeigenschaften ändern); Werkstoffe im Hinblick auf Eigenschaften, Einsatz-, Austausch- und Kombinationsmöglichkeiten erkunden); Methoden und Vorrichtungen zur Formgebung und werkstoffgerechten Fertigung; Lesen und Anfertigen von Plänen und Werkskizzen; Einführen in die Bedienung der für die Schulwerkstätte geeigneten Maschinen, Apparate und Geräte für die Zurichtung von Werkstoffen; Kenntnis und Handhabung der im Werkunterricht der Sonderschule verwendbaren Werkzeuge; Unfallverhütung und richtiges Verhalten bei Unfällen.
Inhalte und Methoden der Teilbereiche:
Bereich Bauen-Wohnen: Elementare statische Konstruktionsprinzipien im modellhaften Lösen von Werkaufgaben vermitteln können; Strategien zur Vermittlung von Raumerfahrung kennenlernen; modellhaftes Bauen unter Bedachtnahme auf Funktion, Größenbezug und räumliche Anordnung nach unterschiedlichen Methoden vermitteln lernen; Hinführen zum Erkennen der Zusammenhänge von Kind-Wohnumwelt - sozialen Bedingungen und wirtschaftlich-technischen Kriterien.
Bereich Maschinentechnik: Strategien zum Lösen technischer Probleme anhand selbstgeplanter und hergestellter Funktionsmodelle (Spielmodelle); analytische und synthetische Methoden der Problemlösung bei sachgerechter Anwendung technologischer Grundverfahren anwenden lernen; Maßnahmen zum Anbahnen und Fördern von technischem Verständnis.
Bereich Produktgestaltung: Formen der Analyse von Gebrauchsgegenständen zur Planung und Herstellung funktions- und technologiegerechter Objekte; Methoden zur Entwicklung der Fähigkeit der Formfindung; Modelle zum Erfassen des Zusammenhanges von Form, Funktion, Werkstoff, Verwendungszweck, Umweltbelastung und Kosten;
Kriterien für die Oberflächengestaltung von Gebrauchsgegenständen;
Methoden zum Anbahnen eines konsumkritischen Verhaltens.
Textiler Bereich
Kleidung und Mode:
Funktionen der Bekleidung; das Phänomen Mode; Werbung; Modekonsum; Mode als Wirtschaftsfaktor; kritisches Verständnis für die Marktmechanismen.
Werkstoffkunde, Fertigungslehre, Textiltechnologie:
Bedeutung der Textilien als Werkstoff; fachspezifische Technologien (textile Rohstoffe, Textilfaser; Textilhalbfertig- und -fertigprodukte, textile Flächenerzeugnisse; Rohstoffgewinnung, Herstellungs- und Veredlungsverfahren, Verarbeitungsverfahren); Gebrauchswertprüfung (Textilkennzeichnung, internationale Pflegekennzeichen); Kennenlernen verschiedener handwerklicher und industrieller Fertigungsverfahren aus historischer, soziologischer und wirtschaftlicher Sicht; sozio-kulturelle Dimensionen von Kleidung und Wohnen; Bewußtmachen von Entstehungsprozessen (Entwurf, Planung, Fertigung); Einblick in die Arbeits- und Wirtschaftswelt, ihre technischen Voraussetzungen und gesellschaftlichen Probleme.
Produktgestaltung, Ästhetik und Design, Verbrauchererziehung:
Erwerb eines grundlegenden Fachwissens und Einblick in werkspezifische Arbeitsweisen; Kenntnisse und Fertigkeiten bei der Bewältigung von Planungs- und Produktionsaufgaben; Fähigkeiten in der Organisation von Arbeitsprozessen.
Einsichten in das Zusammenwirken von Farbe, Form, Struktur, Kontrast, Harmonie, Komposition; Zusammenhang zwischen Form, Zweck und Bestimmung; Sensibilisierung für optische und haptische Reize textiler Materialien und Objekte; Erkennen der Kriterien für ästhetische Wertungen; Schulung des kreativen Ausdrucksvermögens in der Textilgestaltung.
Wirtschaftliche Grundbegriffe und Zusammenhänge; ökonomischer Umgang mit textilen Produkten im Hinblick auf die ökologische Verantwortung; gesetzliche Grundlagen des Konsumentenschutzes (Warenauszeichnungspflicht, Konsumentenschutzgesetz).
Fachpraktische Inhalte, anwendungsbezogen auf die Bereiche Kleidung und Mode, Werkstoffkunde, Fertigungslehre, Textiltechnologie, Produktgestaltung, Ästhetik und Design, Verbrauchererziehung:
Elementare Materialerfahrungen durch Experimentieren mit textilen und textilähnlichen Werkstoffen; Gestaltungstechniken, ihre Anwendungsmöglichkeiten, Gestaltungsübungen; fadenbildende und fadenverstärkende Verfahren (wie Drehen, Knüpfen, Flechten);
flächenbildende Verfahren aus einem oder aus mehreren Fadensystemen (Weben, Häkeln, Stricken); flächenverarbeitende und flächenverzierende Verfahren (Nähen, Sticken, Applizieren);
funktions-ästhetisches Gestalten (Gewinnen einfacher Schnittformen, einfache Schnittveränderungen, Entwickeln und Fördern des körperhaften Vorstellungsvermögens; von der Fläche zur Form, auch unter Beachtung ergonomischer Gesichtspunkte); Kenntnis der sachgemäßen Verarbeitungstechniken und ihrer Anwendung; Erkennen der Nutz- und Schmuckwirkung; Kenntnisse im Umgang mit Werkzeugen, Geräten und Maschinen; Einsicht in deren Funktionsweise, deren sachgerechte Handhabung, Behandlung und Pflege; Maßnahmen zur Unfallverhütung.
Didaktik der Lernbereiche der Werkerziehung (Technischer und Textiler Bereich):
Lerntheoretische Zielsetzungen der Werkerziehung in der Allgemeinen Sonderschule und der Sonderschule für schwerstbehinderte Kinder (mit besonderen Schwerpunkten des multisensorischen Lernens, Verflechtens von Denken, Machen und sprachlicher Begriffsbildung); Einführen in fachspezifische Problemlösungsprozesse und ihre Strategien unter Berücksichtigung der Lernvoraussetzungen des Schülers;
Schwerpunktsetzung und Zielgewichtung bei der Stoffauswahl;
Auswahlkriterien für das exemplarische Festlegen von Werkaufgaben;
Finden von entwicklungs- und kindgemäßen Aufgabenfeldern, Motivationen und Problemstellungen; Schulen der Feinmotorik und der haptisch-taktilen Wahrnehmungsfähigkeit anhand geeigneter Werkverfahren; Vermitteln von Verfahrensweisen zur Entwicklung zeitökonomischer Strategien zum Erlernen und Einüben von Fertigkeiten; planmäßiges Training zur Verbesserung der Lernfunktion. Das soziale Lernen und kooperative Verhalten sollen im Zusammenhang mit den fachlichen Inhalten, unter Berücksichtigung des Entwicklungsstandes der Schüler, aktiviert werden. Die theoriebezogenen Inhalte sollen mit den praktischen Aufgaben und Problemstellungen eng verknüpft werden.
Für die Sonderschule für schwerstbehinderte Kinder gilt besonders, die Entwicklung, Stärkung und Förderung der im Schüler vorhandenen Fähigkeiten durch den Einsatz sonderpädagogischer Maßnahmen und fachspezifischer Hilfen (individuell angepaßte, therapeutisch orientierte Förderung) anzustreben. Jedes Werken ist heilpädagogische Therapie im Hinblick auf Persönlichkeitsbildung, ist Lebensbewältigung durch Eingliederung in die Gemeinschaft und Kreativitätsförderung. Die fachspezifische Arbeitsweise ist gekennzeichnet durch den Wechsel praktischen Tuns (Weg zum Erkenntnisgewinn) und der Reflexion der gemachten Erfahrungen (Bewußtmachen der Zusammenhänge).
Fachpraktische Inhalte können einfach und technisch anspruchslos, aber auch differenziert in der Gestaltung und anspruchsvoller in der technischen Ausführung gearbeitet werden. Unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der Geistigbehindertenpädagogik sind bei der Unterrichtsplanung und Durchführung individuelle Beeinträchtigungen besonders zu beachten. Bei motorischen Schwächen sind sonderpädagogische Hilfen durch Einzelarbeit mit dem Schüler, Handführung, vormachende und nachmachende Unterrichtsform sowie ausreichende Übungsphasen zu setzen. Bei Mehrfachbehinderungen sind spezielle Hilfestellungen (zB heilpädagogisches Werkmaterial und mechanische Hilfsmittel) erforderlich. Bei Sinnesausfällen sind richtige Material- und Werkzeugauswahl, Farbigkeit und besondere Markierungen zu beachten. Bei Lern- und Leistungsstörungen sind starke Differenzierung, Vereinfachung von Sachverhalten und Arbeitsweisen notwendig. Häufiger Wechsel vom Gruppen- zum Einzelunterricht ist anzustreben.
Unterrichtsplanung: Planung des Unterrichts im Hinblick auf entwicklungsbedingte Faktoren; Modelle der Unterrichtsplanung für den Werkunterricht; Entwickeln von Unterrichtseinheiten aus den verschiedenen Teilbereichen der Werkerziehung auf Grund didaktisch-methodischer Analysen; praxisgerechte Formen der Unterrichtsplanung; Anleitungs- und Übungsformen; Verfahrensweisen der Vermittlung (rezeptives oder entdeckendes Lernen); Alternativmöglichkeiten bei der Auswahl von Werkstoffen und Werkzeugen zur Durchführung der Werkaufgaben.
Unterrichtsmedien und -materialien: Herstellung und Verwendung von Lehr- und Lernmaterialien; Analyse und Beurteilung von Lehr- und Arbeitsbüchern sowie audio-visuellen Medien.
Literaturstudium: Befähigung zur kritischen Auseinandersetzung mit der einschlägigen Fachliteratur.