Kurztitel
Niederschlagsmessung mit Radar (COST-Aktion 72)
Kundmachungsorgan
BGBl. Nr. 332/1985Bundesgesetzblatt Nr. 332 aus 1985,
Text
ANHANG IIANHANG römisch zwei
ALLGEMEINE BESCHREIBUNG DER FORSCHUNGSAKTION
1 Einleitung
In europäischen Ländern betreiben Wetterdienste und zum Teil auch andere Institutionen Radargeräte zur quantitativen Bestimmung von Niederschlägen. In mehreren dieser Länder sind Bestrebungen eingeleitet, Radarverbundnetze aus vorhandenen und geplanten Wetterradargeräten aufzubauen.
Durch solche Verbundnetze sollen lokal bereits verarbeitete Radarinformationen über die Niederschlagsverteilung zusammengefaßt und allen Benutzerkreisen verfügbar gemacht werden. Zu den interessierten Benutzern gehören neben den Wetterdiensten selbst vor allem der Luftverkehr, die Hydrologie, die Wasserwirtschaft sowie Landwirtschaft und Baugewerbe. Das Interesse erstreckt sich nicht nur auf die quantitative Erfassung und Darstellung von Gebietsniederschlägen, sondern darüber hinaus auf gefährliche Niederschlagsphänomene, Hochwassergefahren usw., um Warnungen aussprechen sowie Vorsorge zur Schadensverhütung treffen zu können.
2 Ziele der Aktion
Die Ziele lassen sich wie folgt zusammenfassen:
2.1. Prüfung der technischen und finanziellen Aspekte eines koordinierten Vorgehens mit dem Ziel der Errichtung eines europäischen Wetterradarnetzes.
2.2. Verbesserung der Qualität der Radardaten sowie der Korrelation zwischen Radardaten und meteorologischen Erscheinungen – insbesondere Niederschlagshöhe und Gesamtniederschlagsmenge – für die kurzfristige Wettervorhersage und andere Zwecke, an denen Meteorologen, Hydrologen, die Luftfahrt, das Baugewerbe, die Landwirtschaft und ähnliche Kreise potentiell interessiert sind, wobei insbesondere die Verbreitung von Warnmeldungen zum Schutz von Leben und Eigentum zu berücksichtigen ist.
2.3. Optimierung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses der einzelstaatlichen, bilateralen sowie europäischen Verbundnetze.
2.4. Prüfung der Möglichkeit einer Standardisierung der Radarbeobachtungssysteme, um eine wirtschaftliche Produktion des entsprechenden Ausrüstungsmaterials auf europäischer Basis zu erleichtern.
2.5. Prüfung der Möglichkeiten für die Kombination von Wetterradardaten mit den Wolkendaten von Wetterbeobachtungssatelliten.
3. Programm
Die Unterzeichner beabsichtigen, ausgehend vom derzeitigen Entwicklungsstand der Radarverbundnetze in ihren Ländern, Untersuchungs- und Forschungsarbeiten durch öffentliche Einrichtungen ausführen zu lassen oder, wenn solche bereits durchgeführt wurden, die Ergebnisse einschließlich aller erforderlichen Grunddaten verfügbar zu machen.
Der Themenkreis des Programms umfaßt folgendes:
3.1. Radarbeobachtungssysteme
optimale Konstruktionsparameter
Verfügbarkeit und Darlegung aller einschlägigen Radarkenndaten
Leistungsüberwachung, Stabilität und Zuverlässigkeit
örtliche Displayerfordernisse
Möglichkeiten der Rationalisierung der Produktion von Ausrüstungsmaterial
3.2. Datenverarbeitung an Radarstandorten und Empfangsstationen
Vereinheitlichung von Datenformaten und Protokollen
Einbeziehung von Eichung und Datenkorrektion
Konversion und Integration für sekundäre Auffangreservoire („Sub-catchments“) und Flutgebiete
Kombination von Satellitendaten und Radardaten
Zusammenfassung von Daten mehrerer Radargeräte zu einem Bild/Display
3.3. Datengenauigkeit
grundlegende Fragen, zum Beispiel Verhältnis zwischen der durch Radar gemessenen und der den Boden erreichenden Niederschlagsmenge
Methoden zur Eichung der Radardaten und Verwendung von Z-R-Beziehungen
Eliminierung ständiger Echos, Interpolierung in Okkultationsgebieten
Korrektion von „Bright-band“-Effekten
Messung von Schnee, Hagel und Schneeregen
Identifizierung gefährlicher meteorologischer Erscheinungen
3.4. Datenübertragung
Optimierung von Schnittstellen nach dem jeweiligen Stand der Nachrichtentechnik
Prüfung und Anwendung von Übertragungsmedien, und zwar sowohl schmalbandigen als auch Mikrowellensystemen
Festlegung von Erfordernissen der Datenintegrität
Datendisplay in entfernten Stationen und örtliche Speicherung
3.5. Verbundnetze
Anforderungen der Benutzer an den Dateneinsatz
Bestimmung der Vergleichbarkeit bei Daten von verschiedenen Radargeräten und von anderen Quellen
Erprobung ausgewählter Probleme in Pilotnetzen
Datenbanken in rechnerkompatibler Form
Optimierung von Radarverbundnetzen
technische und globale finanzielle Aspekte multinationaler Verbundnetze.