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Anl. 1

Fassungen
ab 01.09.2017 — BGBl. II Nr. 198/2017 (Stammfassung)
InkrafttretenAußerkrafttretenKundmachung
Anl. 1 heute01.09.2017 BGBl. II Nr. 198/2017 (Stammfassung)

Rechtstracker.at · Quelle: RIS (Bundeskanzleramt)

Kurztitel

Lehrplan für den katholischen Religionsunterricht an Polytechnischen Schulen

Kundmachungsorgan

Bundesgesetzblatt Teil 2, Nr. 198 aus 2017,

Typ

K

Paragraph/Artikel/Anlage

Anlage eins

Inkrafttretensdatum

01.09.2017BGBl. II Nr. 198/2017

Außerkrafttretensdatum

Index

70/07 Schule und Kirche

Text

Anlage LEHRPLAN FÜR DEN KATHOLISCHEN RELIGIONSUNTERRICHT AN POLYTECHNISCHEN SCHULEN

Bildungs- und Lehraufgabe:

Der katholische Religionsunterricht leistet einen wesentlichen Beitrag zum Bildungsauftrag der Schule und versteht sich als Dienst an den Schülerinnen und Schülern.

Der Religionsunterricht soll den Schülerinnen und Schülern den christlichen Glauben erschließen, zu ihrer Persönlichkeitsbildung beitragen und sie unsere christlich geprägte Kultur verstehen lassen. Er soll die Schülerinnen und Schüler zur aktiven Teilnahme am Leben in Gesellschaft und Staat, das auf Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung abzielt, ermutigen und befähigen.

Unter Berücksichtigung des allgemeinen Bildungszieles der Polytechnischen Schule sieht der Religionsunterricht seine Aufgabe darin, die Schülerinnen und Schüler zu begleiten, sie aber auch bei der Vorbereitung auf das weitere Leben durch religiöse Bildung zu unterstützen, wobei der bevorstehende Eintritt in das Berufsleben einen besonderen Schwerpunkt einnimmt.

Didaktische Grundsätze:

Der Religionsunterricht begleitet die jungen Menschen bei ihrem Fragen und Suchen nach dem Geheimnis von Leben und Welt. Er lädt sie zu einem Dialog zwischen Glaubensüberlieferung und Lebenserfahrung ein, der zu einer verantwortlichen Gestaltung des Lebens befähigen und ermutigen will.

Leben und Glauben werden dabei in ihrer spannungsvollen Einheit zur Sprache gebracht, um das Leben aus dem Glauben, den Glauben aus dem Leben heraus zu deuten. So sollen die Schülerinnen und die Schüler befähigt werden, ihre eigene religiöse Identität auszubilden und auf dieser Grundlage ihr Leben zu gestalten.

Der Religionsunterricht in der Polytechnischen Schule unterscheidet sich aber von jenem in der Neuen Mittelschule durch die besondere Aufgabe dieser Schulart, die Schülerinnen und die Schüler auf das Berufsleben vorzubereiten.

  • Strichaufzählung
    Die Schülerinnen und die Schüler mit ihren sehr unterschiedlichen Welt-, Lebens- und Glaubenserfahrungen stehen im Mittelpunkt des Religionsunterrichtes.
  • Strichaufzählung
    In der Phase der Neuorientierung begleitet der Religionsunterricht die jungen Menschen und bietet Hilfestellung zur Persönlichkeitsentfaltung an.
  • Strichaufzählung
    Inhalt des Unterrichtes sind der christliche Glaube und das menschliche Leben sowie deren Mit-, In- und Gegeneinander.
  • Strichaufzählung
    Der Religionsunterricht ermöglicht den Schülerinnen und den Schülern in einer Atmosphäre gegenseitiger Wertschätzung und des Vertrauens ihr Leben zur Sprache zu bringen. Dabei ist auf selbständiges und kritisches Denken Wert zu legen. Selbstkritische Reflexion des eigenen Verhaltens sowie verantwortungsbewusstes Handeln sind anzustreben und zu fördern.
  • Strichaufzählung
    Die Erfahrungen der Schülerinnen und der Schüler werden aus der Perspektive der Botschaft des christlichen Glaubens reflektiert, der in Jesus Christus seine Mitte hat.
  • Strichaufzählung
    In einer Auseinandersetzung mit der Medienwelt der Schülerinnen und der Schüler werden Chancen und Gefahren der Medien aufgezeigt. Dadurch wird ein verantwortungsbewusster Umgang mit diesen gefördert.
  • Strichaufzählung
    Aktuelle Anlässe und deren Gestaltung im Schulleben, in Familie, Gesellschaft und Kirche, Begegnungen mit Persönlichkeiten, die Durchführung von Lehrausgängen, Exkursionen, religiösen Übungen und Orientierungstagen erweitern und konkretisieren das Erfahrungswissen und unterstützen die Persönlichkeitsbildung sowie das Christsein im Alltag.
  • Strichaufzählung
    Der Religionsunterricht greift auch aktuelle gesellschaftliche Themen auf und bietet Information aber auch Hilfestellung aus christlich-ethischer Sicht an.
  • Strichaufzählung
    Fächerübergreifende, fächerverbindende und projektorientierte Unterrichtsformen bieten eine besondere Chance, die Vernetzung von Glaube und Leben zu unterstreichen.

Ein derart ausgerichteter Religionsunterricht fördert die religiöse Wahrnehmungs-, Urteils- und Entscheidungsfähigkeit der Schülerinnen und Schülern und leistet damit einen wesentlichen und spezifischen Beitrag zum Erwerb von Selbstkompetenz, von religiöser und ethischer Sachkompetenz sowie von Sozialkompetenz.

Art des Lehrplanes:

Der Rahmencharakter des Lehrplanes ermöglicht den Religionslehrerinnen und Religionslehrern den Lehrstoff und die Kompetenzen hinsichtlich ihrer Auswahl, ihres Schwerpunktes, ihrer zeitlichen Abfolge und nach der Situation der jeweiligen Klasse gemäß den didaktischen Grundsätzen einzuteilen. Dadurch können die Möglichkeiten für fächerübergreifenden Unterricht genützt und der Bezug zu Schwerpunktsetzungen des Schulstandortes hergestellt werden.

Kompetenzen:

Die Schülerinnen und Schüler

  • Strichaufzählung
    begreifen den Menschen als von Gott angenommen und entwickeln aus dem christlichen Menschenbild Haltungen im Umgang miteinander;
  • Strichaufzählung
    beschreiben wesentliche Voraussetzungen für das Zusammenleben in einer Gemeinschaft aus christlicher Perspektive (z. B. Wertschätzung, Offenheit, Toleranz, Verlässlichkeit);
  • Strichaufzählung
    nehmen die Beziehungen in den Gemeinschaften, in denen sie leben, wahr und setzen sich mit der gegenseitigen Verantwortung für deren Gelingen auseinander;
  • Strichaufzählung
    deuten Arbeit und Beruf als Aufgabe und Beitrag zur Entfaltung menschlichen Lebens, als Dienst am Mitmenschen und als Chance zur Mitgestaltung der Gesellschaft. Sie entwickeln Impulse zur Bewahrung der Schöpfung.
  • Strichaufzählung
    kennen Beispiele für solidarisches Handeln im Geiste Jesu und entwickeln daraus Perspektiven für den Umgang mit hilfesuchenden und benachteiligten Menschen;
  • Strichaufzählung
    nehmen bei ihrem Streben nach einem geglückten und guten Leben die eigenen Bedürfnisse und Sehnsüchte wahr, werden für jene der Mitmenschen sensibel und prüfen die verschiedenen, oft gegensätzlichen Sinnangebote und Versprechungen von Glück;
  • Strichaufzählung
    setzen sich mit unterschiedlichen Formen der Bewältigung von Leid und mit der Frage nach dem Tod auseinander und können die Heilszusage Gottes in Jesus Christus als Grund und Erfüllung menschlicher Hoffnung deuten;
  • Strichaufzählung
    beschreiben an Beispielen und Lebensmodellen, wie christlicher Glaube im Alltag gelebt werden kann. Daraus entwickeln sie Perspektiven, ihr eigenes Leben verantwortungsbewusst zu gestalten und erkennen ihre Mitverantwortung für die Gegenwart und Zukunft von Gesellschaft und Welt.

Lehrstoff für den Kernbereich:

Sich selbst verstehen und annehmen

  • Strichaufzählung
    Wie sehe ich mich? Meine Wünsche, Träume, Ängste, Hoffnungen,
  • Strichaufzählung
    Wie sehen mich meine Mitmenschen? Meine Rollen, meine Masken,
  • Strichaufzählung
    Gott liebt mich, sowie ich bin (Jes 43,1; Röm 8,15-17)

Alles im Leben ist Beziehung

  • Strichaufzählung
    Meine Beziehung zu Menschen, die mir besonders nahe stehen: Familie, Freunde,
  • Strichaufzählung
    Voraussetzungen für partnerschaftliche Beziehungen: Zärtlichkeit, Liebe, Treue, Verantwortung,
  • Strichaufzählung
    Der Bund der Ehe als Liebes- und Lebensgemeinschaft
  • Strichaufzählung
    Meine Beziehung zu Gott. Gebet und Meditation, Gottesdienst

Sehnsucht nach Sinn und Glück

  • Strichaufzählung
    Persönliche Glücksvorstellungen
  • Strichaufzählung
    Auf der Suche nach Glück und erfülltem Leben (Joh 10,10)
  • Strichaufzählung
    Kritische Auseinandersetzung mit Glücksversprechungen: z. B. Konsum, Geld, Werbung, Aberglauben, Drogen
  • Strichaufzählung
    Misserfolg und Scheitern, Leid und Tod als Herausforderungen im Leben
  • Strichaufzählung
    Umkehr—Versöhnung (Mk 1,15; Mk 2,5f)
  • Strichaufzählung
    Unser Gott — ein Gott des Lebens und der Liebe (Joh 4,1-26)

Jesus Christus — Gott ist Mensch geworden

  • Strichaufzählung
    Mein Jesusbild
  • Strichaufzählung
    Jesus in seiner Zeit und Umwelt
  • Strichaufzählung
    Die Botschaft Jesu in Wort und Tat:

              Jesu menschliches Ringen um seinen Weg (Mt 4,1-11)

              Seine Offenheit für alle Menschen

              Sein Vertrauen auf Gott, seinen Vater

  • Strichaufzählung
    Die Begegnung mit Jesus Christus fordert zur Entscheidung heraus

              Als mündiger Christ/als mündige Christin in der Kirche leben

              Ökumene – auf dem Weg zur versöhnten Vielfalt

Das Leben christlich gestalten – Leben aus dem Heiligen Geist

  • Strichaufzählung
    Beispiele und Lebensmodelle aus dem Alltag

              Das Wirken des Hl. Geistes in „geisterfüllten“ Menschen

  • Strichaufzählung
    Ehrfurcht vor der Würde und dem Wert des Menschen: z. B. Schutz des Lebens, Sterbebegleitung, Gentechnologie
  • Strichaufzählung
    Achtung der Rechte und Überzeugung des anderen
  • Strichaufzählung
    Die christliche Sicht der Arbeit – Job – Beruf – Berufung
  • Strichaufzählung
    Verantwortung übernehmen – solidarisch leben und handeln: im Bereich von Arbeit und Güterverteilung, in Wirtschaft und Politik, mit den Schwachen und Ausgegrenzten
  • Strichaufzählung
    Religiöse Lebenskultur: z. B. Sonntag, Feste, Bräuche
  • Strichaufzählung
    Freizeit: Zeit für mich – Zeit für die Gemeinschaft – Mitleben in Vereinen, kirchlichen Bewegungen und Gruppierungen

Die in Klammern angeführten Bibelstellen sind als Anregung zu verstehen.

Lehrstoff für den Erweiterungsbereich:

Der Lehrstoff für den Erweiterungsbereich ist von Religionslehrerinnen und Religionslehrern von der entsprechend den konkreten Notwendigkeiten und Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler einer Klasse heraus zu entwickeln. Sie können so konkreter den örtlichen und zeitlichen Gegebenheiten, wie diese im Schulalltag und im religiösen Leben der Regionen vorzufinden sind, gerecht werden. Sie können und werden auch Themen des Kernstoffes erweitern und vertiefen.

Schlagworte

Bildungsaufgabe, Welterfahrung, Lebenserfahrung, Miteinander, Ineinander, Wahrnehmungsfähigkeit, Urteilsfähigkeit, Liebesgemeinschaft

Im RIS seit

24.07.2017

Zuletzt aktualisiert am

24.07.2017

Gesetzesnummer

20009936

Dokumentnummer

NOR40195192