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BGBl. III Nr. 198/2020

kundgemacht 26.11.2020 RIS↗
Änderungen des Anhangs über Chemikalien zum Übereinkommen über das Verbot der Entwicklung, Herstellung, Lagerung und des Einsatzes chemischer Waffen und über die Vernichtung solcher Waffen
Änderungen des Anhangs über Chemikalien zum Übereinkommen über das Verbot der Entwicklung, Herstellung, Lagerung und des Einsatzes chemischer Waffen und über die Vernichtung solcher Waffen
Kundmachung BGBl. III Nr. 198/2020× zu Verbot der Entwicklung, Herstellung, Lagerung und des Einsatzes chemischer Waffen und Vernichtung solcher Waffen×

Änderungen durch diese Kundmachung

Verbot der Entwicklung, Herstellung, Lagerung und des Einsatzes chemischer Waffen und Vernichtung solcher Waffen 1 § 0↗RIS↗
Anl. 1geändertTabelle
in Kraft 29.04.1997 – 06.06.2020 · idF BGBl. III Nr. 38/1997 · danach: BGBl. III Nr. 198/2020 Anl. 1↗RIS↗
in Kraft ab 07.06.2020 · idF BGBl. III Nr. 198/2020 Anl. 1↗RIS↗
… 31 unveränderte Absätze
ANHANG ÜBER CHEMIKALIEN
Inhalt
A. Leitlinien für Chemikalienlisten
B. Chemikalienlisten
A. LEITLINIEN FÜR CHEMIKALIENLISTEN
Leitlinien für Liste 1
1. Folgende Kriterien sind zu berücksichtigen, wenn geprüft wird, ob eine toxische Chemikalie oder eine Ausgangssubstanz (Vorprodukt) in Liste 1 aufgenommen werden soll:
a) Sie ist nach der Begriffsbestimmung in Artikel II als chemische Waffe entwickelt, hergestellt, gelagert oder eingesetzt worden;
b) sie stellt anderweitig wegen ihrer besonderen Eignung für auf Grund dieses Übereinkommens verbotene Tätigkeiten ein großes Risiko für Ziel und Zweck des Übereinkommens dar, weil sie eine oder mehrere der folgenden Voraussetzungen erfüllt:
i) sie besitzt eine chemische Struktur, die der anderer in Liste 1 genannter toxischer Chemikalien sehr ähnlich ist, und hat oder hat mutmaßlich vergleichbare Eigenschaften;
ii) sie besitzt eine tödliche oder handlungsunfähig machende Toxizität sowie sonstige Eigenschaften, die sie zum Einsatz als chemische Waffe geeignet machen würden;
iii) sie ist im letzten Prozeßschritt bei der Produktion einer in Liste 1 genannten toxischen Chemikalie als Vorprodukt verwendbar, gleichviel ob dieser Schritt in Einrichtungen, in Munition oder anderswo stattfindet;
c) sie findet nur eine geringfügige oder keine Verwendung für nach diesem Übereinkommen nicht verbotene Zwecke.
Leitlinien für Liste 2
2. Folgende Kriterien sind zu berücksichtigen, wenn geprüft wird, ob eine in Liste 1 nicht genannte toxische Chemikalie oder eine Ausgangssubstanz (Vorprodukt) für eine in Liste 1 oder in Liste 2 Teil A genannte Chemikalie in die Liste 2 aufgenommen werden soll:
a) Sie stellt ein erhebliches Risiko für Ziel und Zweck dieses Übereinkommens dar, weil sie eine tödliche oder handlungsunfähig machende Toxizität sowie sonstige Eigenschaften besitzt, die sie zum Einsatz als chemische Waffe geeignet machen;
b) sie kann in einer der chemischen Reaktionen auf der letzten Stufe der Bildung einer in Liste 1 oder Liste 2 Teil A genannten Chemikalie als Vorprodukt verwendet werden;
c) sie kann wegen ihrer Bedeutung für die Produktion einer in Liste 1 oder Liste 2 Teil A genannten Chemikalie ein erhebliches Risiko für Ziel und Zweck dieses Übereinkommens darstellen;
d) sie wird für nach diesem Übereinkommen nicht verbotene Zwecke nicht in großen kommerziellen Mengen produziert.
Leitlinien für Liste 3
3. Folgende Kriterien sind zu berücksichtigen, wenn geprüft wird, ob eine toxische Chemikalie oder eine Ausgangssubstanz (Vorprodukt), die nicht in anderen Listen genannt ist, in Liste 3 aufgenommen werden soll:
a) Sie ist als chemische Waffe entwickelt, hergestellt, gelagert oder eingesetzt worden;
b) sie stellt anderweitig ein Risiko für Ziel und Zweck dieses Übereinkommens dar, weil sie eine tödliche oder handlungsunfähig machende Toxizität sowie sonstige Eigenschaften besitzt, die sie zum Einsatz als chemische Waffe geeignet machen könnte;
c) sie stellt auf Grund ihrer Bedeutung für die Herstellung einer oder mehrerer in Liste 1 oder Liste 2 Teil B genannter Chemikalien ein Risiko für Ziel und Zweck dieses Übereinkommens dar;
d) sie kann für nach diesem Übereinkommen nicht verbotene Zwecke in grossen kommerziellen Mengen produziert werden.
B. CHEMIKALIENLISTEN
In den folgenden Listen sind toxische Chemikalien und ihre Vorprodukte genannt. Zum Zweck der Durchführung dieses Übereinkommens sind in den Listen die Chemikalien angegeben, auf welche die im Verifikationsanhang vorgesehenen Verifikationsmaßnahmen anzuwenden sind. Diese Listen stellen keine Begriffsbestimmung für chemische Waffen im Sinne des Artikels II Absatz 1 Buchstabe a dar.
(Jeder Hinweis auf Gruppen dialkylierter Chemikalien, denen – in Klammern – eine Aufzählung von Alkylgruppen folgt, bedeutet, daß alle Verbindungen, die sich durch sämtliche möglichen Kombinationen der in Klammern genannten Alkylgruppen ergeben, als in die entsprechende Liste eingetragen gelten, sofern sie nicht ausdrücklich ausgenommen sind. Eine in Liste 2 Teil A mit „*“ gekennzeichnete Chemikalie unterliegt bezüglich Meldung und Verifikation besonderen Schwellenwerten, wie es in Teil VII des Verifikationsanhangs festgelegt ist.)
Liste 1
A. Toxische Chemikalien:
Registriernummer
nach Chemical Abstracts Service (CAS-Nummer)
1.
O-Alkyl(≤ C10 einschließlich Cycloalkyl)-alkyl-(Me, Et, n-Pr oder i-Pr)-phosphonofluoride
z. B. Sarin: O-Isopropylmethylphosphonofluorid
Soman: O-Pinakolylmethylphosphonofluorid
(107-44-8)
(96-64-0)
2.
O-Alkyl(≤ C10 einschließlich Cycloalkyl)-N,N-dialkyl(Me, Et, n-Pr oder i-Pr)phosphoramidocyanide
z. B. Tabun: O-Ethyl-N'N-dimethylphosphoramidocyanid
(77-81-6)
3.
O-Alkyl(H oder ≤ C10 einschließlich Cycloalkyl)-S-2-dialkyl(Me, Et, n-Pr oder i-Pr)-aminoethylalkyl(Me, Et, n-Pr oder i-Pr)-phosphonothiolate sowie entsprechende alkylierte und protonierte Salze
z. B. VX: O-Ethyl-S-2-diisopropylaminoethylmethylphosphonothiolat
(50782-69-9)
4.
4. Schwefelloste:
2-Chlorethylchlormethylsulfid
Senfgas: Bis-(2-chlorethyl)-sulfid
Bis-(2-chlorethylthio)-methan
Sesqui-Yperit (Q): 1,2-Bis-(2-chlorethylthio)-ethan
Bis-1,3-(2-chlorethylthio)-n-propan
Bis-1,4-(2-chlorethylthio)-n-butan
Bis-1,5-(2-chlorethylthio)-n-pentan
Bis-(2-chlorethylthiomethyl)ether
O-Lost: Bis-(2-chlorethylthioethyl)-ether
(2625-76-5)
(505-60-2)
(63869-13-6)
(3563-36-8)
(63905-10-2)
(142868-93-7)
(142868-94-8)
(63918-90-1)
(63918-89-8)
5.
Lewisite:
Lewisit 1: 2-Chlorvinyldichlorarsin
Lewisit 2: Bis-(2-chlorvinyl)-chlorarsin
Lewisit 3: Tris-(2-chlorvinyl)-arsin
(541-25-3)
(4033469-8)
(40334-70-1)
6.
Stickstoffloste
HN1: Bis-(2-chlorethyl)-ethylamin
HN2: Bis-(2-chlorethyl)-methylamin
HN3: Tris-(2-chlorethyl)-amin
(538-07-8)
(51-75-2)
(555-77-1)
7.
Saxitoxin
(35523-89-8)
8.
Ricin
(9009-86-3)
B. Ausgangsstoffe:
9.
Alkyl(Me, Et, n-Pr oder i-Pr)-phosphonsäuredifluoride
z. B. DF: Methylphosphonsäuredifluorid
(676-99-3)
10.
O-Alkyl(H oder ≤ C10 einschließlich Cycloalkyl)-O-2-Dialkyl(Me, Et, n-Pr oder i-Pr)aminoethyl-alkyl(Me, Et, n-Pr oder i-Pr)phosphonite und entsprechende alkylierte und protonierte Salze
z. B. QL: O-Ethyl-O-2-diisopropylaminoethylmethylphosphonit
(57856-11-8)
11.
Chlor-Sarin: O-Isopropylmethylphosphonochlorid
(1445-76-7)
12.
Chlor-Soman: O-Pinakolylmethylphosphonochlorid
(7040-57-5)
13)
P-Alkyl (H oder ≤ C10 einschließlich Cycloalkyl)-N-(1-(dialkyl(≤ C10 einschließlich Cycloalkyl)amino)) alkyliden(H oder ≤ C10 einschließlich Cycloalkyl)phosphonamidofluoride sowie entsprechende alkylierte und protonierte Salze
z.B.
P-n-Decyl-N-(1-(di-n-decylamino)-n-decyliden)phosphonamidofluorid
(2387495-99-8)
P-Methyl-N-(1-(diethylamino)ethyliden)phosphonamidofluorid
(2387496-12-8)
14)
O-Alkyl (H oder ≤ C10 einschließlich Cycloalkyl)-N-(1-(dialkyl(≤ C10 einschließlich Cycloalkyl)amino)) alkyliden(H oder ≤ C10 einschließlich Cycloalkyl)phosphoramidofluoride sowie entsprechende alkylierte und protonierte Salze,
z.B.
O-n-Decyl-N-(1-(di-n-decylamino)-n-decyliden)phosphoramidofluorid
(2387496-00-4)
O-Methyl-N-(1-(diethylamino)ethyliden)phosphoramidofluorid
(2387496-04-8)
O-Ethyl-N-(1-(diethylamino)ethyliden)phosphoramidofluorid
(2387496-06-0)
15)
P-Methyl-N-(bis(diethylamino)methyliden)phosphonamidofluorid
(2387496-14-0)
16)
Carbamate (quaternäre und bisquaternäre Dimethylcarbamoyloxypyridine)
Quaternäre Dimethylcarbamoyloxypyridine:
1-[N,N-Dialkyl(≤ C10)-N-(x-(hydroxy, cyano, acetoxy)alkyl(≤ C10)) ammonio]-1 0-[N-(3-dimethylcarbamoyloxy-α-picolinyl)-N,N-dialkyl(≤ C10) ammonio]-n-decan-dibromide (n = 1-8)
z.B.
1-[N,N-Dimethyl-N-(2-hydroxy)ethylammonio]-10-[N-(3-dimethylcarbamoyloxy-α-picolinyl)-N,N-dimethylammonio]-n-decan-dibromid
(77104-62-2)
Bisquaternäre Dimethylcarbamoyloxypyridine:
1,x-Bis[N-(3-dimethylcarbamoyloxy-α-picolinyl)-N,N-dialkyl(≤ C10) ammonio]-n-alkan-(2,(x-1)-dion)-dibromide (x = 2-12)
z.B.
1,10-Bis[N-(3-dimethylcarbamoyloxy-α-picolinyl)-N-ethyl-N-methylammonio]-n-decan-2,9-dion-dibromid
(77104-00-8)
Liste 2
… 9 unveränderte Absätze
A. Toxische Chemikalien:
1.
Amiton: O,O-Diethyl-S-(2-(diethylamino)-ethyl)phosphorthiolat und entsprechende alkylierte und protonierte Salze
(78-53-5)
2.
PFIB: 1,1,3,3,3-Pentafluor-2-(trifluormethyl)-1-propen
(382-21-8)
3.
BZ: 3-Chinuclidinylbenzilat (*)
(6581-06-2)
B. Ausgangsstoffe:
4.
Chemikalien, mit Ausnahme der in Liste 1 genannten, die ein Phosphoratom enthalten, an das eine Methyl-, Ethyl- oder Propyl-(Normal- oder Iso-)Gruppe gebunden ist, jedoch keine weiteren Kohlenstoffatome
z. B. Methylphosphonsäuredichlorid
Dimethylmethylphosphonat
Ausnahme: Fonofos: O-Ethyl-S-phenyl-ethyldithiophosphonat
(676971)
(765796)
(944-22-9)
5.
N,N-Dialkyl(Me, Ei, n-Pr oder i-Pr)-phosphoramiddihalogenide
6.
Dialkyl(Me, Et, n-Pr oder i-Pr)-N,N-dialkyl(Me, Et, n-Pr oder i-Pr)-phosphoramidate
7.
Arsentrichlorid
(7784-34-1)
8.
2,2-Diphenyl-2-hydroxyessigsäure
(76-93-7)
9.
Chinuclidin-3-ol
(1619-34-7)
10.
N,N-Dialkyl(Me, Et, n-Pr oder i-Pr)-aminoethyl-2-chloride und entsprechende protonierte Salze
11.
N,N-Dialkyl(Me, Et, n-Pr oder i-Pr)-aminoethan-2-ol und entsprechende protonierte Salze
Ausnahmen: N,N-Dimethylaminoethanol und entsprechende protonierte Salze
N,N-Diethylaminoethanol und entsprechende protonierte Salze
(108-01-0)
(100-37-8)
12.
N,N-Dialkyl(Me, Et, n-Pr oder i-Pr)-amiooethan-2-thiol und entsprechende protonierte Salze
13.
Thiodiglykol: Bis-(2-hydroxyethyl)-sulfid
(111-48-8)
14.
Pinakolylalkohol: 3,3-Dimethylbutan-2-ol
(464-07-3)
Liste 3
A. Toxische Chemikalien:
1. Phosgen: Carbonyldichlorid
(75-44-5)
2. Chlorcyan
(506-77-4)
3. Cyanwasserstoff
(74-90-8)
4. Chlorpikrin: Trichlornitromethan
(76-06-2)
B. Ausgangsstoffe
5. Phosphoroxidchlorid
(10025-87-3)
6. Phosphortrichlorid
(7719-12-2)
7. Phosphorpentachlorid
(10026-13-8)
8. Trimethylphosphit
(121-45-9)
9. Triethylphosphit
(122-52-1)
10. Dimethylphosphit
(868-85-9)
11. Diethylphosphit
(762-04-9)
12. Schwefelmonochlorid
(10025-67-9)
13. Schwefeldichlorid
(10545-99-0)
14. Thionylchlorid
(7719-09-7)
15. Ethyldiethanolamin
(139-87-7)
16. Methyldiethanolamin
(105-59-9)
17. Triethanolamin
(102-71-6)