Rechtssatz RS0094733
Rechtstracker.at · Quelle: RIS (Bundeskanzleramt)
Rechtssatznummer
RS0094733
Entscheidungsdatum
20.03.2025
Rechtssatz
Die Tathandlung liegt in einer missbräuchlichen Vornahme (oder Unterlassung) eines Rechtsgeschäftes oder einer sonstigen Rechtshandlung. Ein rein faktisches Handeln zum Nachteil des Machtgebers ohne rechtlichen Charakter kommt demnach als Tathandlung der Untreue nicht in Betracht.
Entscheidungstexte
- 13 Os 125/92
Entscheidungstext OGH 29.09.1993 13 Os 125/92
- 14 Os 101/96
Entscheidungstext OGH 01.07.1997 14 Os 101/96
Beisatz: Durch Unterlassen kann Untreue nur ausnahmsweise, nämlich dann begangen werden, wenn die Unterlassung einer Rechtshandlung - und nicht bloß einer tatsächlichen Verrichtung - einem Befugnismissbrauch durch aktives Tun gleichzuhalten ist. (T1)
- 14 Os 107/99
Entscheidungstext OGH 28.06.2000 14 Os 107/99
Auch; Beisatz: Die Tathandlung muss notwendig in einem Rechtsgeschäft oder einer sonstigen Rechtshandlung bestehen. Gefordert ist somit eine Handlung mit rechtlichem Charakter; sie mag etwa in (pflichtwidrigen) Anordnungen oder Weisungen an Untergebene oder auch in der Erschleichung der Zustimmung anderer (mit-)verfügungsberechtigter Organe bestehen. (T2)
- 14 Os 148/00
Entscheidungstext OGH 25.09.2001 14 Os 148/00
Auch; Beisatz: Die Befugnis, über fremdes Vermögen zu verfügen oder den anderen zu verpflichten, kann auch durch Nichtvornahme eines rechtlich gebotenen Handelns ausgeübt, somit gebraucht und solcherart auch missbraucht werden, indem der Machthaber es pflichtwidrig unterlässt, mit der gebotenen rechtsgestaltenden Kraft die Vermögenslage des Machtgebers zu verbessern. (T3)
- 14 Os 186/08x
Entscheidungstext OGH 17.02.2009 14 Os 186/08x
Beisatz: Gleiches gilt, wenn der Täter im Außenverhältnis keine den Machtgeber verpflichtende Vermögensverfügung getroffen, sondern lediglich intern die Entscheidung der zuständigen Organe maßgeblich beeinflusst und somit einen Akt vorbereitender Tätigkeit gesetzt hat, weil die Heranziehung zu solchen unterstützenden Tätigkeiten, worunter auch die Kontrolle von Zahlungseingängen und ihre den Tatsachen entsprechende Verbuchung fallen, keine tatbestandsmäßige Befugnis begründet. (T4)
- 12 Os 117/12s
Entscheidungstext OGH 30.01.2014 12 Os 117/12s
Vgl auch
- 14 Os 34/16f
Entscheidungstext OGH 14.09.2016 14 Os 34/16f
Auch
- 11 Os 126/16p
Entscheidungstext OGH 04.07.2017 11 Os 126/16p
Auch; Beis wie T2; Beisatz: Damit eine pflichtwidrige Weisung zu einer schädigenden Handlung als Tathandlung des § 153 StGB in Frage kommt, muss diese schädigende Handlung selbst – auch wenn sie an Untergebene delegiert wurde – in die Kompetenz des Täters fallen. (T5)
- 12 Os 12/18h
Entscheidungstext OGH 19.04.2018 12 Os 12/18h
Auch
- 11 Os 51/18m
Entscheidungstext OGH 28.08.2018 11 Os 51/18m
Auch; Beis wie T2; Beis wie T3; Beis wie T5
- 11 Os 32/19v
Entscheidungstext OGH 28.05.2019 11 Os 32/19v
- 11 Os 17/21s
Entscheidungstext OGH 29.03.2021 11 Os 17/21s
Vgl
- 14 Os 74/21w
Entscheidungstext OGH 22.02.2022 14 Os 74/21w
Vgl; Beis wie T4
- 13 Os 14/22s
Entscheidungstext OGH 18.05.2022 13 Os 14/22s
Vgl
- 14 Os 72/23d
Entscheidungstext OGH 28.11.2023 14 Os 72/23d
vgl; Beisatz: Nicht in Erfüllung einer Rechtspflicht geleistete Zahlungen, die nicht durch Kontoüberweisung, sondern in bar erfolgen, sowie die bloße (faktische) Entnahme aus dem Vermögen des Machtgebers ("Griff in die Kassa") stellen keine Vornahme eines Rechtsgeschäfts oder einer sonstigen rechtlichen Handlung dar. (T6)
- 11 Os 156/23k
Entscheidungstext OGH 18.06.2024 11 Os 156/23k
vgl
- 11 Os 66/24a
Entscheidungstext OGH 27.08.2024 11 Os 66/24a
vgl
- 14 Os 130/23h
Entscheidungstext OGH 03.09.2024 14 Os 130/23h
vgl
- 13 Os 109/24i
Entscheidungstext OGH 19.03.2025 13 Os 109/24i
vgl
- 14 Os 61/23m
Entscheidungstext OGH 20.03.2025 14 Os 61/23m
vgl
European Case Law Identifier (ECLI)
ECLI:AT:OGH0002:1993:RS0094733
Zuletzt aktualisiert am
06.08.2025
Dokumentnummer
JJR_19930929_OGH0002_0130OS00125_8200000_001