Entscheidungsgründe:
Der am 30.Juli 1986 verstorbene Anton G*** hatte ab April 1984 gemeinsam mit seinem Neffen Gerhard R*** dessen Haus Tiemberg Nr 137 in Reith bei Kitzbühel bewohnt. Anton G*** war vom Vater Gerhard R*** ersucht worden, sich um das genannte Haus zu kümmern. Anfangs war das Verhältnis zwischen Anton G*** und seinem Neffen im wesentlichen gut; dann kam es aber zu regelmäßigen Auseinandersetzungen. Zum Teil lag der Grund dafür in der Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit Gerhard R***, der mehrfach vergeblich versucht hatte, durch Entwöhnungskuren seinen Zustand zu verbessern.
Am 22.August 1984 kehrte Anton G*** gegen 1 Uhr nach einem Gasthausbesuch in alkoholisiertem Zustand in das gemeinsam mit Gerhard R*** bewohnte Haus zurück und stellte fest, daß der Haustürschlüssel innen steckte. Auf sein Läuten öffnete Gerhard R***. Im Zuge der darauf folgenden wörtlichen und tätlichen Auseinandersetzung ging Anton G*** zunächst mit einer Axt auf Gerhard R*** los; später schoß er zweimal mit einem Kleinkalibergewehr auf ihn. Der zweite Schuß traf Gerhard R*** in den Oberschenkel und verletzte ihn schwer. Anton G*** wurde deshalb mit Urteil des Landesgerichtes Innsbruck vom 26.September 1985, 25 Vr 3302/84, wegen des Vergehens der schweren Körperverletzung nach § 83 Abs 1, § 84 Abs 2 Z 1 StGB rechtskräftig verurteilt. Nach dem 22.August 1984 wohnten Anton G*** und Gerhard R*** nicht mehr zusammen. Anton G*** verzog nach einem Spitalsaufenthalt nach Eugendorf; R*** bewohnte bis zu seinem Tod am 22.Mai 1985 weiterhin das Haus in Reith bei Kitzbühel. Mit Kodizill vom 13.Juni 1984 hatte Gerhard R*** das erwähnte Haus Anton G*** vermacht.Am 22.August 1984 kehrte Anton G*** gegen 1 Uhr nach einem Gasthausbesuch in alkoholisiertem Zustand in das gemeinsam mit Gerhard R*** bewohnte Haus zurück und stellte fest, daß der Haustürschlüssel innen steckte. Auf sein Läuten öffnete Gerhard R***. Im Zuge der darauf folgenden wörtlichen und tätlichen Auseinandersetzung ging Anton G*** zunächst mit einer Axt auf Gerhard R*** los; später schoß er zweimal mit einem Kleinkalibergewehr auf ihn. Der zweite Schuß traf Gerhard R*** in den Oberschenkel und verletzte ihn schwer. Anton G*** wurde deshalb mit Urteil des Landesgerichtes Innsbruck vom 26.September 1985, 25 römisch fünf r 3302/84, wegen des Vergehens der schweren Körperverletzung nach Paragraph 83, Absatz eins,, Paragraph 84, Absatz 2, Ziffer eins, StGB rechtskräftig verurteilt. Nach dem 22.August 1984 wohnten Anton G*** und Gerhard R*** nicht mehr zusammen. Anton G*** verzog nach einem Spitalsaufenthalt nach Eugendorf; R*** bewohnte bis zu seinem Tod am 22.Mai 1985 weiterhin das Haus in Reith bei Kitzbühel. Mit Kodizill vom 13.Juni 1984 hatte Gerhard R*** das erwähnte Haus Anton G*** vermacht.
Mit der Behauptung, daß Gerhard R*** seinem Onkel Anton G*** dessen Straftat vergeben habe und das Kodizill daher rechtswirksam sei, begehrt die klagende Verlassenschaft im Hauptverfahren (18 Cg 576/86 des Landesgerichtes Innsbruck) die Feststellung, daß ihr Anspruch aus dem Kodizill zu Recht bestehe; außerdem stellt sie zwei Eventualbegehren.
Die beklagte Verlassenschaft beantragt die Abweisung dieses Klagebegehrens. Gerhard R*** habe Anton G*** nicht
verziehen; dieser sei daher erbunwürdig.
Das Erstgericht wies im Hauptverfahren das Haupt- und die Eventualbegehren ab. Es stellte fest, daß sich Gerhard R*** noch kurz vor seinem Tod gegenüber Jutta, Franz und Olga M*** dahin geäußert habe, daß Anton G*** "das Haus" nicht bekommen solle. Daß Gerhard R*** Anton G*** die Straftat vergeben habe, könne nicht als erwiesen angenommen werden; Anton G*** sei daher erbunwürdig (§540 ABGB).
Das Berufungsgericht bestätigte dieses Urteil und sprach aus, daß der Wert des Streitgegenstandes S 300.000 übersteige. Über die dagegen erhobene Revision ist infolge Unterbrechung des Revisionsverfahrens noch nicht entschieden worden.
Die Klägerin begehrt nämlich mit der am 21.9.1988 eingebrachten Klage die Wiederaufnahme des Hauptverfahrens, die Beseitigung der dort ergangenen Urteile sowie eine Klagestattgebung in der Hauptsache. Durch Zufall habe sie davon Kenntnis erlangt, daß Gerhard R*** noch nach der Straftat in psychiatrischer Behandlung bei Dr.Leonhard H*** gestanden sei und dieser bestätigen könne, daß der Erstgenannte Anton G*** die Straftat verziehen habe. Davon habe die Erbin Elisabeth G*** am 13. September 1988 erstmals erfahren.
Die Beklagte beantragt die Abweisung des Klagebegehrens. Der Klägerin sei schon im Hauptverfahren bekannt gewesen, daß Gerhard R*** in ständiger Behandlung Dr.Leonhard H*** gewesen sei. Die in der Wiederaufnahmsklage angebotenen Beweismittel seien für die Klägerin schon im Vorprozeß benützbar gewesen; sie habe es schuldhaft unterlassen, die für den (Haupt-)Prozeß notwendigen Beweismittel rechtzeitig zu beschaffen.
Das Erstgericht bewilligte die Wiederaufnahme und beseitigte die im Hauptverfahren ergangenen Urteil erster und zweiter Instanz. Es stellte fest:
Nachdem die mit der Vertretung der klagenden Verlassenschaft betrauten Kinder Anton G*** das Urteil des Berufungsgerichtes im Hauptprozeß zugestellt erhalten hatten, trafen sie zusammen und kamen überein, daß ein weiterer Zeuge ausfindig gemacht werden müsse, der bestätigen könne, daß Gerhard R*** Anton G*** die Straftat vom 22.August 1984 verziehen habe. Da ihnen bekannt war, daß Gerhard R*** alkohol- und medikamentenabhängig war, erkundigte sich Elisabeth G*** auf der Drogenambulanz der Innsbrucker Universitätsklinik, ob irgendwelche Unterlagen über ihn auflägen. Im Zuge dieser Nachforschungen verwies Dr.R*** Elisabeth G*** an den Facharzt für Psychiatrie in Hall/Tirol Dr.Leonhard H***, bei dem Gerhard R*** von 1981 bis kurz vor seinem Tod in Behandlung gewesen war. Am 13.September 1988 setzte sich deshalb Elisabeth G*** mit diesem Psychiater in Verbindung und erfuhr von ihm, daß er über das Verhältnis Anton G*** zu Gerhard R*** Bescheid wisse und auch Kenntnis davon habe, daß Gerhard R*** Anton G*** die Straftat vom 22.August 1984 verziehen habe.
Den Kindern Anton G*** war zwar bekannt, daß Gehard R*** vor der Straftat Anton G*** (22.August 1984) bei Dr.H*** in Behandlung gewesen war; sie wußten aber nicht, daß das auch noch nach der Tat der Fall gewesen war. Des weiteren war ihnen bis zum 13.September 1988 nicht bekannt, daß Gerhard R*** mit Dr.H*** über seine Verbindung zu Anton G*** und über die Straftat vom 22.August 1984 gesprochen hatte. Sie setzten sich daraufhin mit ihrem Rechtsvertreter in Verbindung, worauf dieser am 19.September 1988 die Wiederaufnahmsklage eingebracht hat.
Im Hauptverfahren hatten die Vertreter der klagenden Verlassenschaft keinerlei Anhaltspunkte dafür, daß Dr.Leonhard H*** über das Verhältnis Gerhard R*** zu Anton G*** Bescheid wisse.
Rechtlich meinte das Erstgericht, daß die Klägerin kein Verschulden im Sinne des § 530 Abs 2 ZPO treffe und die Aussage des Zeugen Dr.Leonhard H*** geeignet sei, in der Hauptsache eine für sie günstigere Entscheidung zu bewirken.Rechtlich meinte das Erstgericht, daß die Klägerin kein Verschulden im Sinne des Paragraph 530, Absatz 2, ZPO treffe und die Aussage des Zeugen Dr.Leonhard H*** geeignet sei, in der Hauptsache eine für sie günstigere Entscheidung zu bewirken.
Das Berufungsgericht bestätigte dieses Urteil. Es übernahm die Feststellungen des Ersturteils als das Ergebnis einer unbedenklichen Beweiswürdigung und billigte auch die rechtliche Beurteilung des Erstgerichtes. Da die Erben Anton G*** keine Kenntnis davon gehabt hätten, daß Gerhard R*** auch noch nach der Straftat bei Dr.H*** in Behandlung gewesen war, und keine Anhaltspunkte vorgelegen seien, daß Dr.Leonhard H*** von einer Verzeihung Gerhard R*** gewußt habe, begründe es kein Verschulden der Klägerin, daß sie es unterlassen habe, im Hauptprozeß den Zeugen Dr.Leonhard H*** zu führen. Aus der Aussage des Klagevertreters Dr.Johannes H*** ergebe sich auch kein Hinweis auf sein Wissen davon, daß Gerhard R*** nach dem 22.August 1984 bei Dr.H*** in Behandlung gewesen war und dieser Kenntnis von der Verzeihung der Straftat durch Gerhard R*** gehabt hatte. Gegen dieses Urteil richtet sich die Revision der Beklagten wegen unrichtiger rechtlicher Beurteilung, Aktenwidrigkeit und Mangelhaftigkeit des Verfahrens mit dem Antrag, die angefochtene Entscheidung dahin abzuändern, daß das Klagebegehren abgewiesen werde; hilfsweise wird ein Aufhebungsantrag gestellt. Die Klägerin beantragt, der Revision nicht Folge zu geben. Die Revision ist im Hinblick auf den notwendigerweise auch für das Wiederaufnahmeverfahren gültigen (SZ 10/350; 4 Ob 548/83, 4 Ob 502/84, 8 Ob 607/86 uva) Streitwertausspruch des Berufungsgerichtes im Hauptverfahren zulässig; sie ist aber nicht berechtigt.