Rechtssatz RS0106294
Rechtstracker.at · Quelle: RIS (Bundeskanzleramt)
Rechtssatznummer
RS0106294
Entscheidungsdatum
09.09.2025
Rechtssatz
Der sexuelle Mißbrauch einer widerständsunfähigen Person kann nicht unter Ausnützung einer Autorität erfolgen. Anders als beim Einsatz von Gewalt oder gefährlicher Drohung zur Willensbeugung ist daher bei jenen Delikten, welche die Brechung des dem sexuellen Mißbrauch entgegenstehendem Willens des Tatopfers voraussetzen, ein eintätiges Zusammentreffen mit (sämtlichen) Deliktsfällen des § 212 StGB begrifflich ausgeschlossen.Der sexuelle Mißbrauch einer widerständsunfähigen Person kann nicht unter Ausnützung einer Autorität erfolgen. Anders als beim Einsatz von Gewalt oder gefährlicher Drohung zur Willensbeugung ist daher bei jenen Delikten, welche die Brechung des dem sexuellen Mißbrauch entgegenstehendem Willens des Tatopfers voraussetzen, ein eintätiges Zusammentreffen mit (sämtlichen) Deliktsfällen des Paragraph 212, StGB begrifflich ausgeschlossen.
Entscheidungstexte
- 9 Os 91/86
Entscheidungstext OGH 24.09.1986 9 Os 91/86
- 12 Os 139/88
Entscheidungstext OGH 24.11.1988 12 Os 139/88
- 13 Os 134/91
Entscheidungstext OGH 08.04.1992 13 Os 134/91
Vgl aber; Beisatz: nunmehr: Wird erst durch den Einsatz der Autorität als zusätzliches Mittel der Einwirkung auf das Opfer (neben dem Einsatz schwerer Gewalt) dessen Willen gebrochen, so liegt echte Idealkonkurrenz von § 201 Abs 1 und § 212 StGB vor. (T1) Veröff: RZ 1993/53 S 169
- 15 Os 58/95
Entscheidungstext OGH 22.06.1995 15 Os 58/95
Vgl auch; Beisatz: Kein eintätiges Zusammentreffen der jeweils ersten Fälle des § 212 Abs 1 und Abs 2 StGB mit Sexualdelikten nach § 201 und § 202 StGB, die unter Brechung des dem sexuellen Mißbrauch entgegenstehenden Willens des Opfers begangen wurden. (T2)
- 12 Os 27/96
Entscheidungstext OGH 25.04.1996 12 Os 27/96
Vgl auch
- 12 Os 102/97
Entscheidungstext OGH 07.08.1997 12 Os 102/97
Auch
- 14 Os 59/16g
Entscheidungstext OGH 20.10.2016 14 Os 59/16g
Vgl auch; Beisatz: Das Ausnützen einer Autoritätsstellung setzt die Fähigkeit des Opfers zur Willensbildung voraus. Diese liegt bei einem Säugling nicht vor (hier: einjähriges Kleinkind). (T3)
- 12 Os 86/21w
Entscheidungstext OGH 16.09.2021 12 Os 86/21w
Vgl; Beis wie T3
- 11 Os 49/22y
Entscheidungstext OGH 28.07.2022 11 Os 49/22y
Vgl
- 13 Os 32/23i
Entscheidungstext OGH 28.06.2023 13 Os 32/23i
vgl; Beisatz: Da „Ausnützung" einer Autoritätsstellung gegenüber einer iSd § 205 Abs 1 erster Fall StGB wehrlosen Person begrifflich ausgeschlossen ist, kommt insoweit eintätiges Zusammentreffen dieser strafbaren Handlung mit § 212 Abs 1 Z 2 StGB nicht in Betracht. (T4)
- 15 Os 125/23f
Entscheidungstext OGH 14.12.2023 15 Os 125/23f
vgl; Beisatz wie T4
- 14 Os 38/24f
Entscheidungstext OGH 19.06.2024 14 Os 38/24f
vgl; Beisatz wie T4
- 11 Os 59/25y
Entscheidungstext OGH 09.09.2025 11 Os 59/25y
vgl
European Case Law Identifier (ECLI)
ECLI:AT:OGH0002:1986:RS0106294
Zuletzt aktualisiert am
13.10.2025
Dokumentnummer
JJR_19860924_OGH0002_0090OS00091_8600000_001