Rechtssatz RS0036742
Rechtstracker.at · Quelle: RIS (Bundeskanzleramt)
Rechtssatznummer
RS0036742
Entscheidungsdatum
24.07.2024
Rechtssatz
Ist die Prozesshandlung durch einen Irrtum versäumt worden, beginnt die Frist für den Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand mit dessen möglicher Aufklärung, sofern diese durch auffallende Sorglosigkeit unterblieben ist.
Entscheidungstexte
- 10 ObS 64/93
Entscheidungstext OGH 15.04.1993 10 ObS 64/93
Veröff: SZ 66/51
- 10 Ob 1505/94
Entscheidungstext OGH 15.02.1994 10 Ob 1505/94
- 2 Ob 366/97f
Entscheidungstext OGH 20.01.1998 2 Ob 366/97f
Auch; Beisatz: Eine auffallende Sorglosigkeit setzt dabei ein extremes Abweichen von der gebotenen Sorgfalt voraus, also eine Sorgfaltswidrigkeit, die einem ordentlichen Menschen in der gegebenen Situation keinesfalls unterlaufen wäre. (T1)
- 9 ObA 57/02a
Entscheidungstext OGH 27.03.2002 9 ObA 57/02a
Beisatz: Ob eine auffallende Sorglosigkeit oder (nur) eine Sorglosigkeit minderen Grades vorliegt, ist regelmäßig von den Umständen des Einzelfalls abhängig. (T2)
- 3 Ob 264/04a
Entscheidungstext OGH 22.12.2004 3 Ob 264/04a
Beis wie T2
- 3 Ob 34/05d
Entscheidungstext OGH 27.04.2005 3 Ob 34/05d
Beis wie T2
- 7 Ob 55/07z
Entscheidungstext OGH 09.05.2007 7 Ob 55/07z
- 10 Ob 59/08m
Entscheidungstext OGH 23.09.2008 10 Ob 59/08m
Auch; Beisatz: Begehrt die Partei die Wiedereinsetzung wegen eines Irrtums, so fällt das Hindernis nicht erst dann weg, wenn sie den Irrtum tatsächlich aufgeklärt hat, sondern zu dem Zeitpunkt, zu dem die Aufklärung wegen eines nicht bloß minderen Grads des Versehens unterblieben ist. (T3)
- 9 Ob 4/10v
Entscheidungstext OGH 03.03.2010 9 Ob 4/10v
Vgl auch; Beis wie T2
- 1 Ob 26/12y
Entscheidungstext OGH 01.03.2012 1 Ob 26/12y
Beis wie T2
- 9 Ob 43/11f
Entscheidungstext OGH 30.04.2012 9 Ob 43/11f
- 3 Ob 60/13i
Entscheidungstext OGH 16.04.2013 3 Ob 60/13i
- 6 Ob 204/15s
Entscheidungstext OGH 26.11.2015 6 Ob 204/15s
Auch; Beisatz: Die Frist beginnt schon dann zu laufen, wenn der säumigen Partei die Verspätung hätte auffallen müssen, also mit jeder schon bestehenden, von der Partei jedoch tatsächlich nicht ausgeschöpften Möglichkeit des Wegfalls des Irrtums; dies wäre etwa dann der Fall, wenn die Partei Informationen hätte einholen können oder eine nachträgliche Kontrolle möglich gewesen wäre. (T4)
- 6 Ob 161/16v
Entscheidungstext OGH 30.08.2016 6 Ob 161/16v
Beis ähnlich wie T2
- 1 Ob 213/17f
Entscheidungstext OGH 29.11.2017 1 Ob 213/17f
nur T3; Beisatz: Hier: Von einem Anwalt wird jedwede eigene Überprüfung der Rechtzeitigkeit bei der Verfassung eines Rechtsmittels unterlassen und der von der Kanzleikraft gesetzte Eingangsvermerk nicht kontrolliert - auffallende Sorglosigkeit (mwN). Verspäteter Wiedereinsetzungsantrag. (T5)
- 10 ObS 37/23y
Entscheidungstext OGH Zurückweisung mangels erheblicher Rechtsfrage 22.06.2023 10 ObS 37/23y
- 1 Ob 101/24w
Entscheidungstext OGH Zurückweisung mangels erheblicher Rechtsfrage 24.07.2024 1 Ob 101/24w
Beisatz wie T2
Beisatz: Hier: Von einem Anwalt wird jedwede eigene Überprüfung der Rechtzeitigkeit bei der Verfassung eines Rechtsmittels unterlassen und das von einer Mitarbeiterin eingetragene Fristende nicht kontrolliert - auffallende Sorglosigkeit. Verspäteter Wiedereinsetzungsantrag. (T6)
Anm: So bereits ua 1 Ob 26/12y, 1 Ob 213/17f, 10 ObS 37/23y.
European Case Law Identifier (ECLI)
ECLI:AT:OGH0002:1993:RS0036742
Zuletzt aktualisiert am
21.10.2024
Dokumentnummer
JJR_19930415_OGH0002_010OBS00064_9300000_003