Rechtssatz RS0089526
Rechtstracker.at · Quelle: RIS (Bundeskanzleramt)
Rechtssatznummer
RS0089526
Entscheidungsdatum
22.09.2026
Rechtssatz
Wenn wenigstens ein mehrdeutiges, durch Mischung aktiver und passiver Verhaltenselemente gekennzeichnetes Tatverhalten vorliegt, ist vorrangig von der aktiven Herbeiführung des Erfolgs auszugehen ("Primat des Tuns"). Nur dort, wo mangels jeglichen zur Anknüpfung geeigneten aktiven Verhaltens die strafrechtliche Haftung ausschließlich und unmittelbar auf die Unterlassung einer Erfolgsabwendung im Sinn des § 2 StGB gestützt wird, bedarf es der Bindung der objektiven Sorgfaltspflicht an eine Garantenstellung.Wenn wenigstens ein mehrdeutiges, durch Mischung aktiver und passiver Verhaltenselemente gekennzeichnetes Tatverhalten vorliegt, ist vorrangig von der aktiven Herbeiführung des Erfolgs auszugehen ("Primat des Tuns"). Nur dort, wo mangels jeglichen zur Anknüpfung geeigneten aktiven Verhaltens die strafrechtliche Haftung ausschließlich und unmittelbar auf die Unterlassung einer Erfolgsabwendung im Sinn des Paragraph 2, StGB gestützt wird, bedarf es der Bindung der objektiven Sorgfaltspflicht an eine Garantenstellung.
Entscheidungstexte
- 13 Os 109/85
Entscheidungstext OGH 16.01.1986 13 Os 109/85
Veröff: SSt 57/1 = ÖJZ-LSK 1986/53 = ZVR 1986/143 S 332 (grundsätzlich zustimmend Kienapfel)
- 11 Os 146/88
Entscheidungstext OGH 20.12.1988 11 Os 146/88
nur: Wenn wenigstens ein mehrdeutiges, durch Mischung aktiver und passiver Verhaltenselemente gekennzeichnetes Tatverhalten vorliegt, ist vorrangig von der aktiven Herbeiführung des Erfolgs auszugehen ("Primat des Tuns"). (T1)
Beisatz: "Komplexes" Tatverhalten (hier: bei einem Vorsatzdelikt - Versicherungsmissbrauch). (T2)
Veröff: EvBl 1989/96 S 343 = JBl 1989,457
- 13 Os 12/91
Entscheidungstext OGH 20.03.1991 13 Os 12/91
Vgl auch; nur T1; Beisatz: Hier: Zu § 302 StGB: Wer wissentlich eine unvollständige Liste als Beurteilungsgrundlage (verfasst und) vorlegt, handelt. Die "Unterlassung" der Aufnahme weiterer geeigneter Kandidaten steht grundsätzlich gegenüber dem "Primat des Tuns" zurück. (T3)
- 15 Os 56/93
Entscheidungstext OGH 16.09.1993 15 Os 56/93
nur T1
- 11 Os 52/05i
Entscheidungstext OGH 13.06.2006 11 Os 52/05i
Vgl auch
- 12 Os 7/06f
Entscheidungstext OGH 15.02.2007 12 Os 7/06f
Auch; nur T1
- 13 Os 100/09v
Entscheidungstext OGH 17.06.2010 13 Os 100/09v
Auch
- 14 Os 89/15t
Entscheidungstext OGH 17.11.2015 14 Os 89/15t
Auch; Beisatz: Der Satz vom „Primat des Tuns“ kommt jedoch nur dann zur Anwendung, wenn das Tun eine Gefahr herbeigeführt oder vergrößert, sohin den Erfolg (mit‑)verursacht hat und den Unwert des Gesamtverhaltens vollständig ausschöpft. (T4)
Beisatz: Es handelt insofern auch der durch Unterlassen, der aktiv etwas tut, aber nicht das Richtige tut. (T5)
- 14 Ns 8/18i
Entscheidungstext OGH 10.04.2018 14 Ns 8/18i
Vgl
- 15 Os 137/21t
Entscheidungstext OGH 26.01.2022 15 Os 137/21t
Vgl
- 14 Os 18/23p
Entscheidungstext OGH 28.03.2023 14 Os 18/23p
vgl
- 15 Os 57/24g
Entscheidungstext OGH 04.09.2024 15 Os 57/24g
vgl
- 11 Os 56/25g
Entscheidungstext OGH 01.07.2025 11 Os 56/25g
vgl
- 14 Os 102/25v
Entscheidungstext OGH 09.12.2025 14 Os 102/25v
vgl; Beisatz wie T3
- 13 Os 64/26z
Entscheidungstext OGH 29.06.2026 13 Os 64/26z
vgl
- 14 Os 89/26h
Entscheidungstext OGH 22.09.2026 14 Os 89/26h
vgl
European Case Law Identifier (ECLI)
ECLI:AT:OGH0002:1986:RS0089526
Zuletzt aktualisiert am
23.10.2026
Dokumentnummer
JJR_19860116_OGH0002_0130OS00109_8500000_003